Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Unmoralisch

19.07.2018, Anne Andresen, Kassow

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtmäßigkeit der Rundfunkgebühren hat mich fassungslos gemacht. Ist es z. B. mit dem Grundgesetz vereinbar, wenn ein Einpersonen-Rentnerhaushalt genauso viel bezahlen muss, wie eine zehnköpfige Wohngemeinschaft, selbst wenn kein Fernsehgerät vorhanden ist und auch kein Interesse an ständigen und mehrfachen Wiederholungen, Fußball und Krimis usw. besteht, eine Zwangsgebühr für ein Angebot, das man gar nicht nutzen will oder kann?

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks und ARD-Vorsitzender, ließ Anfang diesen Jahres verlauten, dass eine Anhebung des Rundfunkbeitrags ab 2021 lediglich einem Teuerungsausgleich entspräche.Er sagte jedoch nicht, worin die Teuerung besteht.

Kürzlich wurden in einer Sitzung des Landtages in MV folgende Zahlen unwidersprochen genannt: WDR-Chef Tom Burow, Jahrgang 1958, verdient jährlich 399.000 Euro, Lutz Marmor vom NDR (1954) 349-000 Euro und Karola Wille vom MDR (1959), da Frauen immer schlechter bezahlt werden, »nur« 275.000 Euro.

Thomas Gottschalk hat für 144 geplante Sendungen Gottschalk Live die volle Summe von 4,7 Millionen Euro bekommen, obwohl diese Sendung nach 70 Ausstrahlungen abgesetzt wurde. Der Tatort kostet ca. 1,4 Millionen Euro pro Folge, das macht pro Sendeminute etwa 15.500 Euro.

Die so genannten Öffentlich-Rechtlichen bekommen die Zwangsabgabe, um uns unabhängig zu informieren. Da darf doch die Frage gestattet sein, welche Information mit den vielen Krimis gegeben wird, die man täglich mehrfach auf allen übrigen Kanälen sehen kann, sofern man möchte.

Die Sender werden gegen den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung (fast 70 Prozent sind für die Abschaffung der Zwangsgebühr) zwangsfinanziert.

Trotz Bemühungen ist es mir bisher nicht gelungen zu ermitteln, wie viel der Gebühren prozentual in Gehälter und Pensionen fließen – das weist die offizielle Grafik nicht aus. Und bei der Altersstruktur der Vorstände werden in den nächsten Jahren die Pensionszahlungen dramatisch ansteigen, denn Herr Marmor wird bestimmt nicht mit einer 800-Euro-Rente zufrieden sein.

Es ist hier nicht nur die Frage, was legal ist, sondern auch, was moralisch vertretbar ist.

Wolfgang Thierse hat, allerdings in einem anderen Zusammenhang, einmal geäußert: »Es gibt ein Wort für dieses Missverhältnis: obszön.«

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