Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ungepflegt unser Matrosendenkmal

11.09.2013, St. Bohnsack

Kampfbereit und seeklar sollten die Schiffe der kaiserlichen Flotte am Tag X sein, auch als 1917 bereits Kapitulationsverhandlungen liefen – andererseits viele der jungen Matrosen und Heizer schon hoffnungsvoll auf die friedliche Nachkriegszeit blickten. Die kaiserliche Marineführung wollte der Welt noch eine letzte Entscheidungsschlacht liefern. Der Auslauftermin zum Kampfplatz sickerte jedoch zu den Mannschaften durch. Beherzte Heizer löschten die Feuer unter den Kesseln, Matrosen verweigerten ihren Dienst – sie alle sollten für den sinnlosen Ehrgeiz ihrer Offiziere, für »Ruhm und Ehre« in einer der letzten großen Seeschlacht »verheizt« werden, wollten aber weiterleben. Befehlsverweigerung! Exekution der Rädelsführer war die Folge. In den 1970er Jahren wurde den hingerichteten Seeleuten die Gedenkstätte gewidmet, auch als Mahnmal gegen den Krieg, aber kaum ein junger Rostocker weiß es und die DDR-Propaganda, die vereinnahmend immer nur von »Roten Matrosen« sprach, scheint noch zu wirken. Heute hinterlässt die baufällige Mahn- und Gedenkstätte, die auch zum maritimen Erbe der Stadt zählt, selbst einen verwahrlosten Eindruck. Unter dem Denkmal befindet sich ein ungenutzter Museumsraum, der von Feuchtigkeit und Schimmel geplagt ist und auch an der Außenanlage des Monuments grüßen schon seit längerem respektlose Graffitis – wohl in kaum einer anderen Stadt wäre das so möglich. Offensichtlich kümmert und stört es auch keinen. Mahnendes Gedenken, geistige Auseinandersetzung und Würde der Toten spielen hier keine Rolle, eher geht es um die Einstellung zum kulturellen Erbe und um städtische Verantwortung, aber wer trägt die Verantwortung für den Verfall konkret? In unserer Hafenstadt hat Maritimes scheinbar keine Lobby.

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