Mecklenburger Blitz Verlag

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Umweltaktivisten immer dreister?

13.01.2020, Haiko Hoffmann, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Umweltaktivisten immer dreister?"
im Vier Tore Blitz vom 12.01.2020

So wird ein Schuh draus! …

Da regt sich wieder mal einer über Umweltaktivisten auf, hier über die Umweltaktivistin Luisa Neubauer. Sie sei von den Medien „hochgeputscht“ (Was ein Buchstabe zuviel so ausmacht!). Wie frech sie doch ist! Wie kann sie nur den Konzernchef derart angehen und was fordern?!

Hochinteressant ist hier, dass ein sonst so leidenschaftlich-großer Kapitalismus-Gegner sehr besorgt ist ausgerechnet um das Wohl des Konzernchefs, da er ja so viel Verantwortung hat z.B. gegenüber all seinen Mitarbeitern und deren Familien. Wie fürsorglich! Übrigens ist das ein eher kleines und gar nicht so teures Vorhaben gegenüber ganz anderen Projekten, auf das Siemens auch ohne weiteres verzichten könnte, ohne dass es Massenentlassungen geben müsste. Man beruft sich ja daher auch eher auf Vertragstreue denn auf ökonomische und personelle Konsequenzen. Es wäre also möglich – aber nicht gewollt.

Naja, die liefern halt nur Technik für den weltweit größten Kohleabbau, wo dann z.B. Millionen von Tonnen an Kohle permanent nur mal so über das Barrier Riff schippern sollen usw. Zu dumm nur, dass das Barrier Riff eine geschützte Zone ist und derzeit eh schon akut gefährdet ist. Derlei würde wohl nicht besonders geeignet sein, den Schutz dieses einmaligen Naturreservats zu verbessern. Konzern-Interessen gehen halt vor.

Hat der um das Wohl des Konzerns und seines Bosses so Besorgte nicht mitbekommen, dass in Australien der Widerstand gegen die gigantischen Pläne (nicht die von Siemens) längst nicht mehr nur von Umweltschützern kommt?

Es war keineswegs nicht clever, Luisa Neubauer einen gut bezahlten Posten im Aufsichtsrat anzubieten. Es war nur ein sehr durchsichtiger Versuch, zu korrumpieren und ihren Mund zu schließen. Denn hätte sie das Angebot angenommen, dann hätte sie ab da im Interesse der Firma agieren müssen, zum Wohle der Firma, zum Wohle der Mitarbeiter usw. Sie wäre zur Loyalität verpflichtet gewesen. Vor allem hätte sie ab da stillhalten müssen. Dass sie die monatliche Gage von 30 Riesen abgelehnt hat, war völlig klar. Aber mancher nennt das ja dumm. Nun ja!

Und hier zu klagen und den Umweltaktivisten vorzuwerfen, dass wegen der Rüstungsgeschäfte nichts läuft, ist fadenscheinig. Wer genau hinschaut und hinhört, wird feststellen, dass auch dieses nicht vergessen wird. Umweltschützer haben aber so ihr Hauptfeld. Friedensaktivisten das ihrige. Wer nicht hinschaut, sieht natürlich nix.

Aber wer etwas dagegen hat, dass junge Leute den Mund aufmachen, und meint, die würden ja eh nix kapieren (hab ich doch irgenwie schon mal gehört), so dass sie doch besser sich nicht einmischen sollen usw. – der widerspricht sich selbst, wenn er Forderungen stellt nach Aktivitäten in Dingen, von denen er selbst aber meint, dass die sinnlos seien (was will er denn nun?) und von denen die Jungen ja nix verstehen.

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