Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Übler Zeitgeist

11.06.2019, Siegfried Spantig, Hagenow

Es heißt, Lügen haben kurze Beine. Es gibt aber auch Lügen mit langen Beinen, zum Beispiel die Lüge, 1989 sei die DDR lebensunfähig geworden und daher habe sie die BRD auffangen müssen. Um das zu beweisen wurde eine Liste mit den Schulden der DDR erarbeitet und vergessen aufzulisten, was die DDR an Außenständen hatte. Was gewann Bonn darüberhinaus? Zunächst in der Geschichte geblättert: 1945 hatte die SU in Sachsen 4.700 Betriebe beschlagnahmt. Nach dem Volksentscheid vom 30.6.1946 gingen 2.239 Betriebe in Privathand zurück, 1.861 bekam das Volk und 600 blieben in der Kontrolle der Besatzungsmacht. Als Bonn die DDR übernahm, zählte man 9.000 Kombinate und Betriebe, 20.000 Gewerbe- und Handelsbetriebe und so weiter, wie Hotels, Ferienheime. Alles in allem ein Volksvermögen von 2.100 Milliarden DM. Dafür hat kein Mensch auch nur einen Pfennig bekommen. Das heißt auch, die Aufarbeitung der Treuhandleistung allein schlägt den oben genannten langen Beinen nicht die Hacken ab. Und der westdeutsche Gewinn lebt ja fort und fort. Zum Beispiel bekommen wir in Hagenow die Milch aus Düsseldorf. Und ist schon einmal ausgerechnet worden, wieviel Arbeitslose es im Westen weniger gibt, weil von dort der Osten beliefert wird? Die DDR und ihre ehemaligen Bürger madig zu machen, das ist ganz übler Zeitgeist.

Siegfried Spantig, Hagenow

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