Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Trotz Rechtfertigung, kein Einsehen!

14.12.2012, Der Gerechtigkeitsapostel (Name und Anschrift der Redaktion bekannt)

Wenn auch die »Angeklagte« Frau Dr. Nehmzow in einer zweistündigen Rechtfertigung zum Klageproblem »Stralsunder Stadtarchiv« in einer Sondersitzung der Bürgerschaft am 12.12. gehört wurde, bleibt die »fristlose Entlassung« dieser 25 Jahre tätigen Mitarbeiterin des Archivs trotzdem bestehen. Bei der Abstimmung der Bürgerschaft zu dieser Schicksalsfrage reichte die Stimmenmehrheit 21 zu 19 Stimmen für Frau Dr. Nehmzow nicht aus, um die beschlossene Kündigung des Hauptausschusses vom 6. Dezember zu kippen. Die absolute Mehrheit von 22 Abgeordnetenstimmen wären laut Kommunalverfassung dafür erforderlich gewesen.

Wenn auch die Wählergruppe Adomeit mit den Fraktionen DIE LINKE, SPD und Forum Kommunalpolitik, bemüht war, die Situation für Frau Dr. Nehmzow zu retten, reichte das Verständnis zur Sache bei den Gegenspielern CDU/FDP und Bürger für Stralsund nicht aus! Die suspendierte Archivdirektorin Dr. Regina Nehmzow erklärte in ihrer Rechtfertigung, dass sie ihre Arbeit über Jahrzehnte im Stadtarchiv sehr liebe und ihr keine Fehlverhalten bewusst ist, und schon gar nicht eine persönliche Bereicherung im Spiel gewesen sei.

Das Forum Kommunalpolitik hatte bei einer gewonnenen Abstimmung einen Kompromissantrag – Änderungsvertrag – vorbereitet, der eine Vergleichslösung mit Abmahnung und Weiterbeschäftigung in einer anderen Abteilung der Stadtverwaltung vor sah. Regina Nehmzow werde der unberechtigte Verkauf von historischen Büchern vorgeworfen. Die Verkaufspraktiken des Archivs von doppelt archivierten Bücherbeständen sei so über Jahre üblich gewesen, erklärte die Archivarin in ihrer Rechtfertigung. Letztendlich ging es bei den Bücherverkäufen, denen eine lange Zeit der Abwägung vorangegangen sei, um Geld zum Erhalt der Bestände zu erwirtschaften. Ihr aber nun noch die Mängel der verfallenen Bausubstanz des Stadtarchivs vorzuwerfen, sei völlig ungerecht.

Seit 1992 soll sich die Situation des baulichen Zustandes durch Frost in den Archivräumen, wo aus dem porösen Dach bei Regenergüssen Sturzfluten von Wasser in die Magazine geströmt sei, sehr verschlechtert haben. Von Fehlsanierung, von einer eingestürzten Decke wird gesprochen, von massiven Durchfeuchtungen und damit Schimmelbefall. Die Bemühungen der Archivarin zur Sanierung der Bausubstanz wurden nicht erhört, sondern das Geld dafür immer wieder für andere Zwecke ausgegeben!

Trotz der Einforderung besserer Archivbedingungen wie Lüftungen, Entfeuchter und regelmäßigen Reinigungen, sei dies aus der Planung fortwährend gestrichen worden.

Schon ihre Vorgänger Dr. Hacker und Prof. Ewe wurden zum »gesundmachen« der Bausubstanz des Stralsunder Stadtarchives nicht ernsthaft erhört und nun haben wir die Situation, die die ganze Welt empört.

Die großen Ängste, um die Beschädigung der Urkunden und Handschriften, seien vom Zentralen Gebäudemanagement als »unbegründet« abgetan worden. Jawohl für vieles ist Geld da, nur nicht für die notwendigen Dinge zur Lebenserhaltung des Archivs.

Wenn einer leitenden Mitarbeitern mit hoher Fachkompetenz wegen all dieser vorhandenen Tatsachen, die sie allein nicht ändern kann, gekündigt und als »Bauernopfer« gekürt wird, dann soll auch gleich der OB Badrow mit seinen leitenden Mitareitern, Hartlieb und Albrecht, den Hut nehmen und der Stadtverwaltung solchen Menschen überlassen, die in der Lage sind, die Stadtprobleme allseitig richtig zu managen!

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