Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Total von der Rolle!

07.01.2019, Hartwig Niemann, Rostock

 

Wieder einmal geht es, wie schon so oft, um Steuereinnahmen.

Der gegenwärtige Finanzminister Herr Scholz (SPD) hat seinen Spruch „die fetten Jahre sind vorbei“ anscheinend aus dem gleichnamigen Spielfilm des österreichischen Regisseurs Hans Weingartner aus dem Jahr 2004 übernommen.

Angeblich sollen die Steuereinahmen 2019 nicht mehr so sprudeln wie in den vergangenen Jahren. Nach Scholz waren das die fetten Jahre (einschließlich 2018)

Wenn man als Finanzminister monatlich 15.000 € (Jahresverdienst 180.000) nach Hause schleppt, waren das natürlich nur ärmliche und keine „fetten Jahre“. Ebenso „ärmlich“ sieht es natürlich auch bei den 709 Diätenpolitikern aus, die im Bundestag sitzen und vor lauter Gegensätzlichkeit vergessen, das es einen Armutsbericht gibt, dass es Arbeitslose gibt, dass es Obdachlose gibt, dass es hungernde Kinder gibt, dass es traumatisierte deutsche Soldaten (die von der Politik vergessen werden) gibt, dass in einigen Krankenhäusern katastrophale Zustände herrschen, weil nicht genügend Pflegekräfte vorhanden sind und dass es ca. 500.000 bedürftige Rentner gibt, die keine Sozialhilfe erhalten. Und jetzt stellt sich ein Finanzminister der SPD hin und verkündet lauthals „die fetten Jahre sind vorbei.“

Aus meiner Sicht ist diese Bemerkung dermaßen respektlos und vollkommen pessimistisch, weil sie ohne Beweiskraft in den Äther geblasen wurde. Was das für die von mir aufgezählten tatsächlichen Zustände bedeutet, kann sich jeder selbst denken. Wenn Herr Scholz eine Einschränkung vorgenommen hätte und zwar mit der Bemerkung „die fetten Jahre“ für die 709 Bundestagsabgeordneten, die außer Streit sowieso nichts zustande bringen, sind vorbei, hätte ich ihm meine Zustimmung nicht verweigert. So aber ist seine Bemerkung vollkommen „von der Rolle“ der Wirklichkeit entfernt.

 

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