Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Tempo 30: Schleichen für den Klimaschutz

09.01.2012, Hartmuth Lorenz, Schwerin

Einige Fakten zum Daueraufreger Tempolimit:

1. International, so sagen Studien aus, hat die Reduzierung auf Tempo 30 allein keine Auswirkung auf den Klimaschutz. Der optimale Wert liege derzeit in Städten bei 38 bis 40 km/h. Es ist also pure Schaumschlägerei von Nichtfachleuten, genannt Politiker, wenn diesbezüglich sogar von Klimaschutz die Rede ist. Denn nur sie tragen Verantwortung dafür, dass durch ihre Klientel-, Steuer- und Preispolitik, schlechte Verkehrslösungen, Stadtplanungen … deshalb

Diesel- und Fahrzeugzulassungen (Dreckschleudern) zugenommen haben, der ÖPNV geschwächt wurde, der höhere Spritpreis als Regulierungsfaktor versagt hat, der Umwelt insgesamt keinen Gefallen getan wurde, die Wirtschaftsbelastung für Steuerzahler zugenommen hat.

2. Die erst jetzt gebauten Kreisverkehre sind zwar positiv, aber auch ein Eingeständnis für jahrelange Versäumnisse, und sie wirken sich verlangsamend aus, kontra Klimaschutz (1 Lkw bei 50km/h entspricht etwa 50 Pkw Immissionen), in den Baukosten jetzt viel teurer! Tempo-30-Zonen sind nur für reine Wohngebiete geeignet, aber nicht für Trassen und Hauptverkehrsstraßen!

3. Baustellenhäufungen und ihre Stauwirkungen, Haltepunkte …

sind umweltschädlich, weil mehr Stickoxide ausgestoßen werden

und erhöhen die Wirtschaftsbelastung insgesamt. Sie sind Folgen falscher Verkehrswirtschaftsplanungen, z.B. Auto vor Schiene.

4. Mit der Tempo 30-Regelung wird nur die Wohnqualität, also der Umweltfaktor Mensch (Unfallreduzierung, Lärm, Kosten) verbessert, aber nicht die technische Grundlage dafür in den Fahrzeugen geändert (50-70km/h optimale Drehzahl), die Fehlplanung der Zersiedelung und ihre Folgen für den Verkehr korrigiert. Das Kutschen der Kinder nimmt nicht ab, auch durch Rück-Zuzug in die Stadt nicht, es ist somit keine Auto-Verkehrsreduzierung, im Gegenteil, durch Entwicklung neuer Stadtteile (Waisengärten uva.), ohne vorheriges modernes Verkehrskonzept, wird also weiterhin Verkehr produziert, zu Lasten der Umwelt!

Auf das Abzockerproblem, die Inflation der Reglementierungen, besonders im Osten, gehe ich aus Platzgründen hier nicht ein.

Da hier aber die Werderstraße so gelobt wurde, man sich mal mit der Bushaltestellen-Situation im unmittelbaren Kreuzungsbereich Knaudt-Straße ff kritisch befassen. Laut Verkehrsrecht ist das Halten im Sektor einer Kreuzung verboten. Das gilt doch wohl auch für Busse, nur in Schwerin nicht? Hier bilden sich jetzt (durch die Haltestellen dort) zeitweilig Rückstaus. Das ist die wahre Verkehrs- und Umweltpolitik dieser Stadt: Die Modernisierung dieser Straße wurde ohne die neue Buslinie geplant! Weiterer Nebeneffekt: Anwohner der Nordoststadt machen jetzt eine »Stadtrundfahrt« zum Bahnhof, ca. 20 Minuten, oder gehen besser zu Fuß! Wenn aber Tempo 30 einmal dringend notwendig ist, wie bei der Umgehung am Hansecenter, dann reagiert die Stadt nicht mal auf Warnungen der Bürger! Dort drängeln und behindern sich an der Einfahrt zum Center, der Tankstelle … seit Monaten die Autos die Fußgänger!

 

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