Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Stopp der Umdeutung der Geschichte Proras

20.07.2018, Stefan Stadtherr Wollter, Prora

Wie zu vernehmen ist, befasst sich jetzt eine Arbeitsgruppe des

Landkreises Vorpommern-Rügen mit den Geboten zweier potenzieller Käufer des letzten zur

Privatisierung freigegebenen Blocks des Kolosses von Prora. Im Vorfeld erinnern wir von »Denk-MAL-Prora« an die vor zwei Jahren gestartete Petition »Stopp des Ausverkaufs der Geschichte«, die binnen kürzester Zeit mehr als 15.000 Unterstützer gefunden hatte. Damit erinnern wir zugleich an eine bereits zehn Jahre währende Auseinandersetzung um die Geschichte von Block V, die von weiten Teilen der Medien wiederholt einseitig verkürzt als »NS-Hinterlassenschaft« bezeichnet wird, jedoch ganz unmittelbar mit dem Aufstieg und Fall der SED-Diktatur in Zusammenhang stand. Kaum irgendwo ist die differenziert zu betrachtenden Nachkriegs- und DDR-Geschichte zu erfahren, die zwei Generationen früherer DDR-Bürger geprägt hat. Noch weniger ist von der Auseinandersetzung um die Bewahrung letzter Spuren dieser Geschichte zu hören, wozu sich die Ausschreibungsunterlagen nun klar positionieren.

Ausgehend von politischen Willensbekundungen in Zusammenhang mit der Anbringung einer Gedenktafel für die DDR-Bausoldaten in Block V (2010) soll die »doppelte Geschichte« des Blocks, d.h. auch die der DDR-Hinterlassenschaft, im kommenden Bildungszentrum eine Rolle spielen. Dazu gilt es, einen Kasernengang im Bereich der einst geplanten Liegehalle zu bewahren, mitsamt einem bereits 2007 geschützten ehemaligen Soldatenklubraum mit dem Wandbild aus der Hand eines Bausoldaten. Mehrere Relikte aus der Geschichte der DDR wurden im Nachgang seitens des Landesdenkmalamtes als denkmalwürdig und denkmalfähig erkannt und eine Willensbekundung zum Erhalt der äußeren Gestalt des mittleren Blocks im graubraunen DDR-Rauputz abgegeben. Stefan Stadtherr Wolter, Denk-MAL-Prora

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