Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Stichweg – wer sticht wen (aus)?

21.12.2011, Harry Klink

Als Herr Jagdfeld für wenig Geld vom Land den Zuschlag für den Kauf großer Teile Heiligendamms bekam, wollte er ein offenes Hotel bauen, Villen sanieren, 150 neue Häuser (100 mit 4 Wohneinheiten und 50 als Ein- und Zwei-Familienhäuser, also 2.000 Neuheiligendammer) mit Sportanlagen usw. errichten. Alle bekamen vor so viel Großmut feuchte Augen. Andersdenkende und Nachdenkende wurden beschimpft oder bekamen Post vom Anwalt mit Sitz Kurfürstendamm. Aus dem Hotel wurde dann ein Ressorthotel, nun überwiegend Wohnraum. Den alten Bewohnern der Perlenkette wurde durch den Bürgermeister gekündigt, man versprach ihnen 30 Ersatzwohnungen (Präambel Grundlagenver-

trag 1998). Die Sanierung der erworbenen Altsubstanz wurde mit Fristen von 30 Monaten nach Erlangung der Voraussetzungen (Baurecht) fest geschrieben. Baurecht lag ununterbrochen seit 2001 vor. Nachträgliche Wünsche der ECH (Tiefgarage usw.) wurden umgesetzt. Immerhin wurde immer mit dem Verlust von 300 Arbeitsplätzen gedroht. Auch wurde immer versprochen, die einheimische Wirtschaft bekommt die Aufträge. Am Haus Perle wird nun polnisch gesprochen.

Über 200 Hotelzimmer, über 200 Medianpatienten, über 2.000 neue Heiligendammer, 12.000 Bad Doberaner mit ihren Gästen (Pensionen, Hotels, Kliniken): Stadtplanung muss her, sonst Chaos. Alle strömen im Sommer mit Bus, Fahrrad, Auto und Molli zum Strand. 1995 wurden durch die Oberfinanzdirektion ohne Kaufsumme alle Wege, Straßen und Plätze in Heiligendamm der Stadt mit der Option öffentlich übereignet. Der Stadtvertretung wurden durch den Bürgermeister und der ECH genau das Gegenteil erzählt und wichtige Fakten gezielt vorenthaltenden. Parteien und Gruppierungen wurden gefügig gemacht oder unterwandert (mehrere Listen zur Wahl). Nachein­-

ander wurden und werden Mensch und Verkehr (jahrelanger Abbau von Parkmöglichkeiten) aus dem Ort vertrieben, ein autofreies Heiligendam ist laut ECH das Ziel (Ausgabe Nr. 4 der Betriebszeitung der ECH/Kolloquium). Sogar mit Steuergeldern fertig gestellt Wege wurden geschlossen. Subventionsbetrug? Der Hotelpark wurde von Wald in Park umgewandelt, damit man diesen für die Hotelgäste einzäunen kann. Nun kauft Frau Jagdfeld große Teile dieses Parks für ihren Privatbesitz dazu. Stadtvertretung und Landesbehörden wurden also wissentlich belogen. Vorher wurden mit Hilfe des Bürgermeisters alle störenden Wege geschlossen. Wie soll so ein Stadtteil für 12.000 Doberaner, 2.000 Heiligendammer u.a. funktionieren? Oder ist das Gegenteil das Ziel? In den Präambeln der Grundlagenverträge steht, dass sich der Gast wohl fühlen soll. Die Stadt verzichtete sogar unter drei Bedingungen fünf Jahre auf den Bau des beschlossenen Stichweges. Alle Bedingungen sind nicht erfüllt.

Investor und Stadt sollten als Partner ehrlich miteinander umgehen, nicht nebeneinander (also gegeneinander). Diese Grundlagen gibt es nicht. Deshalb sollte die Stadt ihr Verhältnis zur ECH neu gestalten, u.a. ihr Vorkaufsrecht ausüben und solvente Investoren ins Boot (unter transparenten und fairen Bedingungen) holen. Nur dann hat Heiligendamm noch eine Chance in überschaubaren Zeiteinheiten saniert und erlebbar zu werden. Wettbewerb, Transparenz und Rechtsstaatlichkeit haben noch nie geschadet. Der Stichweg vom Zentrum zur Seebrücke und zum Strand gehört als Verbindung von den Haltestellen, von den Wohngebieten und für die Klinik schlichtweg dazu.

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