Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Stalingrad und die 6. Armee

10.03.2018, Wolfgang Mengel, Stralsund
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Generalfeldmarschall Paulus führte 6. Armee in den Tod"
im Wismarer Blitz vom 06.03.2018

Aus der Gegenwart Ereignisse der Vergangenheit zu beurteilen, fällt leicht, denn die Zusammenhänge und deren Ergebnisse sind hinreichend bekannt. Der Autor R. Luchterhand aus Weisin hat in seiner Zuschrift vom 06.03. mit seiner Aussage völlig recht, daran gibt es nichts zu deuteln, das sind die harten Fakten. Wir waren beide nicht dabei, sonst müssten wir etwa um die 100 sein. Es sei aber ein Nachtrag gestattet, der keine Verteidigung von Paulus sein soll, sondern der vage Versuch einer Erklärung, warum er so und nicht anders gehandelt hat. Ich schicke vorweg, dass ich kein Militärhistoriker bin.

Wenn Paulus ganz oben gestanden hätte, wäre es möglicherweise gar nicht zum Überfall auf die SU gekommen (auch wenn er im Auftrag den Plan „Barbarossa“ vorbereitet hat) oder der Krieg wäre anders verlaufen. Er hat im Vorhinein gewarnt: Wenn der Gegner sich erst einmal in die Weiten seiner Räume zurückziehen kann, wird es ein sehr langer Kampf, dem das deutsche Heer nicht gewachsen sein wird. Er hat dabei wohl an Napoleon (1812) und Bismarck (Rückversicherungsvertrag) gedacht. Aber er stand nicht ganz oben. Als die 6. Armee vor Stalingrad lag, wurde die Situation immer aussichtsloser (die Fakten sind bekannt: keine zusätzliche Winterkleidung, keine Verpflegung und Munition, kein Betriebsstoff u.a.). Paulus hat auf die unausweichlichen Folgen mehrfach hingewiesen, forderte Nachschub und Unterstützung. Das wurde von Hitler zugesagt. Paulus wollte den Ausbruch der Armee, das hat Hitler verboten. Paulus bat um Handlungsfreiheit, um seine Soldaten zu retten, die wurde ihm nicht gewährt. Es ist richtig: Er war kein Haudegen, der etwas auf seine Kappe nahm, sondern er wollte sein Tun immer legitimiert sehen. Dann kam das Kapitulationsangebot der Sowjetarmee, das Hitler ablehnte und somit auch Paulus. Jeder Mensch hat in sich seinen Wertekodex. Und sein Wertekodex war: „Des Soldaten höchste Pflicht ist sein Gehorsam!“ Paulus befand sich in einer Zwickmühle, er konnte die Lage konkret einschätzen, aber er war leider nicht imstande, über seinen eigenen Schatten zu springen. Er hat zu diesem Zeitpunkt an dieser Stelle eine völlig falsche Entscheidung getroffen, die Tausende seiner Soldaten mit dem Leben bezahlen mussten. Noch unverständlicher wird es angesichts der im letzten Moment durchgeführten Beförderung zum Generalfeldmarschall, als er hier den Gehorsam verweigerte, denn diese Ernennung war nichts anderes als ein Befehl Hitlers zum Freitod.

Dieses eine Beispiel ist ausreichend, um zu begreifen, wie irrsinnig Kriege sind, Angriffskriege. Gibt es diese nicht, braucht man sich auch nicht zu verteidigen. Dieser Krieg kostete weltweit 50 Millionen Menschen das Leben, davon allein 20 Millionen in der Sowjetunion. Von materiellen Schäden will ich gar nicht reden. Stalingrad war eine der vielen Höllen, wenn nicht die Hölle. Und gerade in der heutigen Zeit ist es leider dringend geboten, darauf zu verweisen und vor einem neuen Weltbrand zu warnen. Wir alle haben nun nur einmal ein Leben und sind Gast auf dieser Erde, das sollten vor allem die Politiker und Eliten nicht vergessen! Wer sich mit dieser speziellen Thematik beschäftigen möchte, dem sei empfohlen: Heinz Schröter, Stalingrad „….bis zur letzten Patrone“, verlegt bei Kaiser

 

 

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