Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Sport am Abgrund

08.10.2019, Hans Lüdtke, Ludwigslust

Am 6. Oktober endete die schlimmste Sportveranstaltung in Form der Leichtathletikweltmeisterschaft in Dohar. Was dort passierte und geboten wurde, zeigte, wie groß die Gier nach Commerz in den Sport eingedrungen ist. Der derzeitige Präsident des Verbandes Sebastian Coe war für mich immer ein vorbildlicher Sportler, was er aber jetzt von sich gegeben hat, ist milde gesagt, eine Diskriminierung aller aktiven Sportler. Seit 1960 besitze ich ein Fernsehgerät, auch als Nichtsportler, habe ich nahezu alle sportlichen Großveranstaltungen mit Begeisterung und Freude verfolgt. Als ehemaliger Bürger der DDR, habe ich mich natürlich besonders über die Erfolge unserer Sportler gefreut, wobei ich innerlich jeden anderen Athleten geehrt habe, für mich galt im Vordergrund immer der Kampf Mann gegen Mann, dementsprechend war auch die Kommentierung der Wettkämpfe. Seit der Wende hat sich insbesondere in den letzten Jahren durch das eigene nationale Medienprogramm eine derartige Fokussierung auf die deutschen Sportler herausgebildet, womit ich in keinem Fall einverstanden bin. Manchmal komme ich mir bei internationalen Wettkämpfen vor, als werden »Deutsche Meisterschaften mit internationaler Beteiligung« durchgeführt. Nach Wettkämpfen werden nicht die Erstplazierten, sondern oft unsere Sportler über einen längeren Zeitraum interviewt, egal ob sie Medaillenträger, oder eventuell Fünfte geworden sind. Der unmittelbare, unvorhereingenommene Wettkampf der Sportler steht nicht im Fokus. Ständige Unterbrechungen in den Übertragungen tuen ein übriges, dass man den Spaß an Sportübertragungen verliert.

Hans Lüdtke, Ludwigslust

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