Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Soziale Pflege-Marktwirtschaft

20.07.2012, Eckhard Pasedag

Wie heißt doch ein bekanntes altes, aber auf keinen Fall veraltetes Sprichwort: »Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.« Fast 12 Jahre lang beauftragten wir den Diakonie-Pflegedienst Griebenow mit der ambulanten Pflege meiner Frau. Die Schwestern, die ihren Dienst stets zu unserer vollsten Zufriedenheit verrichteten, sorgten für Vertrauen in die Arbeit des Pflegedienstes. Als allerdings im Jahre 2012 ein drastischer Anstieg der finanziellen Forderungen des Pflegedienstes erfolgte, beleuchtete ich die Abrechnungsmodalitäten etwas kritischer. Auf meine Fragen, die ich immer noch aus dem Blickwinkel gegenseitigen Vertrauens stellte, wurden mir keine konkreten Antworten gegeben. Für Abrechnung machte man den »Kollegen« Computer verantwortlich. Wenn Ihnen, liebe Leser, auf die Anmerkung, dass nicht erbrachte Leistungen abgerechnet wurden, die verantwortliche Schwester antwortet, dass Sie der Einzige wären, der etwas zu bemängeln hätte, würden Sie sich bestimmt auch fragen, ob Sie ein »bedauerlicher Einzelfall« sind, oder ob hier in großem Stil das Vertrauen der Betreuungsbedürftigen und deren mitpflegenden Angehörigen ausgenutzt wird.

Durch die Lektüre des Leistungskataloges »Häusliche Pflege«, den man bei der Pflegekasse kostenlos erhalten kann, erfuhr ich unter anderem, dass mir gegenüber sogar Falschaussagen von Seiten der Leitenden Schwester getätigt wurden. So wurde z. B. behauptet, dass für einen Toilettengang maximal 10 Minuten angerechnet werden dürfen, obwohl laut Leistungskatalog keinerlei Zeitvorgabe besteht. Aufgrund dieser und weiterer Ungereimtheiten bei der Leistungsabrechnung taten wir also das aus unserer Sicht einzig Richtige. Wir kündigten den Vertrag mit dem Diakonie-Pflegedienst und schlossen mit einem privaten Pflegedienst aus Greifswald einen neuen Vertrag.

Gemäß Kostenvergleich auf Basis der Abrechnung (bisheriger Pflegedienst) zu einem Kostenvoranschlag (jetziger Pflegedienst), jeweils für den Monat März 2012, hätten die Pflegekosten in dem Monat insgesamt 477,63 € weniger betragen, was bei unserem Kombileistungsvertrag 229,60 € mehr ausgezahltes Pflegegeld bedeutet hätte. Inklusive der direkt mit dem Pflegedienst abzurechnenden Rechnungsbestandteile ergibt sich somit ein Unterschied von ca. 3000 € pro Jahr im eigenen Geldbeutel!

Im schon erwähnten Leistungskatalog »Häusliche Pflege« sind übrigens die Pflichten der Pflegedienste und die Rechte der Pflegebedürftigen sehr gut verständlich erläutert. Abschließend kann ich nur jedem raten, der sich in einer vergleichbaren Situation befindet, nicht blind vertrauend, wie ich es über Jahre hinweg getan habe, alles zu unterschreiben, was einem vom Dienstleister vorgelegt wird. Auch sollte man nicht zu sehr auf Einhaltung mündlicher Zusagen setzen.

 

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.