Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

So einfach geht es nicht (mehr)!

23.11.2015, Rudolf Hubert, Schwerin

»Wenn er eins hätte, könnte man sagen, der Kapitalismus hat allerhand auf dem Gewissen.« Es sind diese Vereinfachungen, die mich als jemanden, der in der DDR aufgewachsen ist, immer wieder veranlassen, darauf zu reagieren. Denn es ist dieses antidemokratische Gift, was mit zur Politik- und Demokratieverdrossenheit beiträgt. Gewiss, die ehemalige »DDR-Elite«, von der der Autor behauptet, dass es »Tatsache« sei, dass man sie »liquidierte, die Akademiker und andere(n) Wissenschaftler auf die Straße setzte«, hat ja genau das gelernt: Hier der gute, menschenfreundliche Sozialismus. Dort der schlimme, menschenverachtende Kapitalismus. Selbst 25 Jahre nach Ende der DDR muss man diesen Vereinfachungen wehren: Wir leben in einem Rechtsstaat, in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und in einer sozialen Marktwirtschaft. Nur so kann es – wenn auch nicht optimal gelingen, dass der Markt, sprich Kapitalismus, nicht das letzte Wort hat. »Auch der Freitod ging im Lande um«. Dieser traurige Befund sollte schon deshalb nicht instrumentalisiert werden, weil die Gegenrechnung verheerend wäre, wenn man ihm jene Toten gegenüberstellt, die der Kommunismus auf dem Gewissen hat. »Wenn er eins hätte«, möchte ich den Autor selbst zitieren, der ja offensichtlich sich zur »DDR-Elite« zählt, wohlwissend, dass dieser schillernde Begriff ein unbestimmter Rechtsbegriff ist.

Rudolf Hubert, Schwerin

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