Mecklenburger Blitz Verlag

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Seniorenakademie 55plus auf den Spuren Stralsunder Bürgermeister

14.09.2017, Walter Stephan, Stralsund

Am 5. September startete nach langer Sommerpause das Herbstsemester der Seniorenakademie 55plus mit einem Vortrag von Ricarda Lößner über „Spuren Stralsunder Bürgermeister im heutigen Stadtbild“. An der Spurensuche beteiligten sich 102 interessierte Zuhörer, die weit vor Beginn gekommen waren, da man sich nach so langer Zeit viel zu erzählen hatte. Dann jedoch folgten sie mit großer Spannung den Ausführungen. Wir staunten alle, mit welchem Enthusiasmus die zierliche Frau ein Feuerwerk von Informationen zu vielen bekannten und ebenso vielen uns unbekannten Bürgermeistern unserer Heimatstadt startete. Kennen Sie z. B. Heinrich Eselvoth oder Albert Hövener, Theodor Meyer oder David Ike? Diese Liste ließe sich seitenweise fortsetzen, wie verzichten aber darauf. Dafür kennen wir die Wulflams (Vater und Sohn), Lambert Steinwich, Karsten Sarnow, Franz Wessel, die Hagemeisters und viele andere, die das Schicksal der Stadt mit geprägt haben.

Nach der Gründung musste die Stadt natürlich nach außen, gegenüber dem Landesherrn, vertreten werden, und das kam natürlich den Mächtigen der Stadt zu, die aus ihrer Mitte einen Rat und dessen Sprecher (den späteren Bürgermeister) wählten bzw. bestimmten. Einer der Ersten war Gerwin von Semlow, nach dem die Semlower Straße benannt ist. Zu den Berühmtesten gehört wohl Bertram Wulflam, der – wie später auch sein Sohn Wulf – vor allem außenpolitisch für Stralsund erfolgreich tätig war; das gab es also damals schon, dass der Außenpolitik größere Aufmerksamkeit gewidmet wurde als den Problemen im Inneren. Das machten sich Karsten Sarnow und seine Freunde zunutze, die als nicht zu den Patriziern gehörende Kaufleute im Rat mit diesen quasi in einer „Großen Koalition“ als Juniorpartner regierten. Als die Gelegenheit günstig war, vertrieben sie 1390/1391 Bertram Wulflam, der nach Lübeck flüchtete. Aber die Freude währte nicht lange, und Karsten Sarnow wurde 1393 geköpft und die alten Verhältnisse wieder hergestellt.

An Bertram Wulflam erinnern heute noch das Wulflamhaus am Alten Markt und das Wulflamufer; Karsten Sarnow gab einer Straße seinen Namen und – was uns unbekannt war – man kann das Sarnowsche Wappen über dem Eingang zum ehemaligen Gewandschneiderhaus sehen, uns als früheres „Kornhus“ bekannt.

Zu Franz Wessel, der ebenfalls einer Straße seinen Namen gab, ist zu sagen, dass das von ihm in seinem Auftrag gemalte Bild das erste der einzigartigen Bildergalerie der Stralsunder Bürgermeister ist und als Kuriosum, dass er nach dem Tod seiner Schwester einen Sarg anfertigen und neben seinem Bett aufstellen ließ, wo er 21(!) Jahre bis zu seinem Tod im Alter von 83 Jahren stand.

Dem Bürgermeister David Ike ist es zu verdanken, dass das mittelalterliche Stralsunder Rathaus heute noch existiert, denn Mitte des 18. Jahrhunderts gab es Pläne, das alte Rathaus abzureißen und ein neues Verwaltungsgebäude zu errichten! Er errichtete auch das Haus, das uns unter dem Namen „Löwensches Palais“ bekannt ist, als sein Wohnhaus. Allerdings gefiel dieses Gebäude Axel Graf von Löwen besser als das „zugige“ Kommandantenhus, so dass er sich als Dauergast dort einquartierte, weshalb wir ihm den Namen verdanken.

Vieles ließe sich noch über die Stralsunder Bürgermeister sagen, von denen die Familie Hagemeister im Laufe der Geschichte allein sieben stellte!Ich möchte jedoch mit Carl Friedrich Tamms schließen, der von 1887 bis 1898 Erster Bürgermeister von Stralsund war und als Erster vom deutschen Kaiser den Titel „Oberbürgermeister“ verliehen bekam. Viele Jahre wohnte in Stralsund ein Nachfahre dieser Familie, jetzt genießt er sein Leben im Stralsunder Umland.

 

Walter Stephan

Seniorenakademie 55plus

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