Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Schürzenband oder Kita?

19.11.2012, Siegfried Spantig, Hagenow

In den Zeiten des Anlaufens der Aktion DDR-Schimpfe waren auch die Kleinen, die den Kindergarten durchlaufen hatten, nicht sicher. Zeitungen brachten Bilder, auf denen Kinder in längsgestreiften Bademänteln zu sehen waren, und nannte das den Beweis für Kinder-KZ in der DDR. Hatte eine Frau von diesen Zeitungsmeldungen keine Kenntnis und sagte im Westen, sie sei Kindergärtnerin gewesen, hieß es laut: »Aha, Kinder-KZ!«

Heute sind Kindertagesstätten aktuell, gegen die Betreuungsgeld für Mütter steht, die in der Zeit nicht auf Arbeit gehen wollen, in der sie ihr Kind an das Schulalter heranführen. Darob schwoll der bürgerlichen Opposition der Hals, platze der Kragen und heraus hüpfte das Mißwort Herdprämie, womit nicht gesagt wird, was zu sagen ist. Man gehe beispielsweise in die »Matroschka« in Hagenow und erlebe, wie dort Gemeinschaft gepflegt wird, ohne die Einübung der Ich-Kompetenz zu vernachlässigen.

Freilich ist es ein schönes Bild, wenn sich ein Kleinkind hinter seiner Mutter versteckt und am Schürzenband nestelt, aber den Vorteil im immer härter werdenden Leben haben die »Matroschka«-Kinder, denn sie erkennen ihr natürliches menschliches Dasein als solidarische Gemeinschaft.

Und das will das Kapital nicht, kennt es doch keinen Menschen, sondern nur Humankapital, in einzelnen Stücken genutzt. Ansammlungen mag es nicht, denn da wird Stärke demonstriert. Darum ist Schürzenband für das Kapital viel vorteilhafter, als Kita.

 

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