Mecklenburger Blitz Verlag

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Sachlichkeit täte gut

08.07.2015, Haiko Hasan Hoffmann, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Friedfertigkeit des Islam"
im Schweriner Blitz vom 08.07.2015

Zu »Friedfertigkeit des Islam«, Blitz vom 5. Juli.

Eine Frau darf nur mit Zustimmung verheiratet werden, sofern sie nicht allein entscheiden will. Zwangsheirat ist verboten. In Indonesien ist der Islam nicht Staatsreligion. Die Prügelstrafe betrifft nur die Insel Aceh, die einen separatistischen Kurs gegenüber der Zentralregierung fährt und rigide beherrscht wird, beeinflusst durch die Indonesiern eigentlich fremde saudische Wahhabiya-Ideologie. Die Polizei ist gegenüber der Scharia-Polizei des Gouverneurs relativ machtlos.

Steinigung als Strafe kommt im Gegensatz zur Bibel im Koran nicht vor und geht nur auf wenige sehr umstrittene Hadithe zurück, was diese Strafe zweifelhaft macht. Tatsächlich wird nur in wenigen Ländern diese Strafe vollzogen, was doch eher besagt, dass dies nicht allgemein gültig ist. In diesen Ländern ist ein hartes Regime an der Macht und Scharia Mittel zum Machterhalt. Strafrecht macht in der Scharia übrigens nur ganze 6% aus. Jene Regimes setzen aber gerade auf diese 6% mittels passender Auslegung. In den meisten muslimischen Ländern gibt es diese Strafe nicht, wie z.B. Marokko, wo der Islam auch Staatsreligion ist.

Ehebruch muss nachgewiesen werden. Entweder durch Geburt aus einer Beziehung (nicht mit einander) Verheirateter oder durch 4fache Selbstbezichtigung, vor allem aber durch vier religiös-integre männliche Zeugen. Diese müssen das Eindringen des Penis direkt gesehen haben, was eigentlich unmöglich ist. Die Zeugen werden getrennt befragt. Weicht auch nur einer im Detail leicht ab, ist das Verfahren hinfällig und alle Zeugen werden empfindlich bestraft und ihr Ruf ist für immer dahin. Sollte dennoch ein Gericht diese Strafe verhängen, dann müssen diese Zeugen als erste den Stein auf die Verurteilten (nicht nur die Frau) werfen. Tut es auch nur einer nicht, dann sind die Verurteilten frei und die Zeugen werden bestraft. Im Iran etwa gilt seit 2002 ein Moratorium zu dieser Strafform, nachdem eine Steinigung in einem Dorf stattfand. Falls der Casus Ashtiani gemeint ist, so sei angemerkt, dass es hier weniger um Fremdgehen, sondern um Gattenmord ging. Vergewaltiger gelten selbstverständlich als Verbrecher und Vergewaltigte sind Opfer. Das gilt auch nach Scharia. Willkür ist in Diktaturen aber leider nicht auszuschließen.

Was den Blogger in Saudi-Arabien betrifft, so ist dieses politisch. Opposition wird massiv unterdrückt, wie auch das Beispiel des obersten Geistlichen der schiitischen Minderheit, Ayatullah Baqir an-Nimr, zeigt, der von einem Terrorismus-Sondergericht wegen Insubordination und »Krieges gegen Gott« zum Tode durch das Schwert verurteilt worden ist, nur weil er am arabischen Frühling in Saudi-Arabien friedlich mitwirkte und freie Wahlen und Gleichberechtigung aller Bürger verlangte. Das hat nicht mit Religion zu tun sondern ist Ausdruck eines autoritären Regimes, welches enge Freundschaft mit Deutschland hat. Weder Saudi-Arabien noch Afghanistan sind Musterbeispiele islamischer Gerechtigkeit. Dass (nur) in Saudi-Arabien Frauen nicht Auto fahren dürfen zeigt, dass dies eine rein saudische und kein islamische Frage ist. Wenn in Afghanistan eine Frau so behandelt wird oder noch schlimmer, indem die arme geistig kranke Farchunda von einem Mob gelyncht worden ist, dann liegt das v.a. am Chaos im Land mit wachsendem Einfluss der Taliban. Zu ihrer Beerdigung kamen viele Menschen, alles Muslime.

Wenn ein ungezogener Bengel jemandem »Schweinefleischfresser« nennt, ist dass dann fehlende Toleranz des Islam? Ich bitte Sie! Hier liegt Versagen in der Erziehung vor, was gewiss kein Privileg der Muslime ist. Etwas mehr Sachlichkeit täte auch hier schon gut.

Haiko Hasan Hoffmann, Schwerin

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