Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Rügen braucht mehr Hochachtung

31.07.2015, Dr. Hans-Georg Voigt

Zu den Leserbriefen über die B96n und den Artikel »Neubauprojekte gesichert im BLITZ vom 26. Juli

So wie sich der Mammut-Straßenbau auf Rügen aktuell darbietet, hatte sich das die Bevölkerungs- und Besuchermehrheit der Insel wohl kaum vorgestellt. Wenn man vor Jahren bei der Planung der B96 auf Rügen die unzähligen allgemeinen und besonders die lokalbedingten Bedenken, Einwände und auch die vorgebrachten baulichen Verbesserungsmöglichkeiten beachtet hätte, könnte eine gut angepasste und ausreichende Verkehrsführung bis Bergen längst fertig sein und hätte viel Geld gespart. Doch das Ganze wurde als hochpolitische Forderung deklariert, hinter der vor allem die bauausführende DEGES mit Erfolg ihre lukrativen Interessen durchsetzen konnte. Trotz des unheimlichen Kostenanstiegs soll nun das tragische Spiel ab Samtens weitergehen in einer Größenordnung, die allen bisherigen baulichen Aufwand und Landschaftszerstörung weit übertrifft! (Nebenbei bemerkt: Die Bayern würden sich so etwas nie gefallen lassen). Und das alles, obwohl sich die Verkehrsprobleme ab Bergen nicht lösen lassen, es sei denn, man opfert weitere Alleenbereiche. Auch die Seewirtschaft des Fährhafens Mukran hat sich als minimalistisch und vergleichsweise unbedeutend herausgestellt und kann keine Schnellstraße durch Naturschutzgebiete bis zum Kai fordern. Daran ändern auch die vorübergehenden Energieaufbau-Booms nichts.

So oder so steht mit der Fortsetzung des Straßenbau-Ungetüms die Zukunftsentwicklung Rügens, seiner Menschen und seiner Natur auf dem Spiel. Es kann doch nicht sein, dass ein herbeigeredetes wirtschaftliches(Schein-) Wachstum, an dem ohnehin nur sehr wenige profitieren, einem wirklichen und gerechten Wohlstand und Zufriedenheit des einfachen Volkes vorgezogen wird. Deutschlands schönste Insel braucht mehr Hochachtung!

Dr. Hans-Georg Voigt

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