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"Rügen - Armenhaus mit Luxusstrand"

01.08.2014, Walter Möser, Binz

Die TV-Sendung »Rügen – Armenhaus mit Luxusstrand« (21.7.14) hat deutlich die Gründe für diesen Missstand hier auf der Insel aufgezeigt. Es mangelt vor allem an Dauerarbeitsplätzen, die Saisonkräfte arbeiten nur kurzfristig und häufig auch zu Hungerlöhnen.

Wie kann man abhelfen? Denken wir noch einmal zurück an die Zeit vor »KdF-Prora«: Die Insel Rügen war ein absolutes Notstandsgebiet. Fischer und Landarbeiter die Hauptberufe. In dieser Lage sannen die Planer auf Abhilfe. Wie lässt sich die Situation verbessern – wie Wohlstand erreichen? Ergebnis: Es müssen Verbraucher her, die mit einheimischer Produktion versorgt werden. So kam es zum Prora-Projekt für 20.000 revolvierende Urlauber. Das wäre Massentourismus »zu Fuß« gewesen. Massentourismus per Auto gab es vor und nach der Wende. Als Beispiel für die bei Verwirklichung des Projektes erforderlichen Produktmengen seien nur erwähnt: täglich 100.000 Brötchen und 25.000 Brote! Welchen Aufschwung für Handel und Wandel, für Bauern, Fischer, Fleischer, Molkereien u.a. hätte das bedeutet! Und alles aus inseleigener Produktion. Prora wäre das wirtschaftliche Herz der Insel geworden. Heute ist das nicht mehr möglich, selbst wenn Prora im vorgesehenen Maß »aufgefüllt« würde. Die Produkte werden überwiegend von inselfernen Herstellern geliefert. Da ist wenig Hoffnung.

Thema Arbeitsplätze: Dauerarbeitsplätze sind rar. Da nur die Sommersaison beworben wird, gibt es hier nur befristete Tätigkeiten. Warum wird die Schönheit der Insel nicht ganzjährig beworben? Es gibt genügend Interessenten in Deutschland, die auch die Insel im Frühling, Herbst, Winter besuchen würden. Warum propagiert man nicht: »Überwintern auf Rügen« (statt auf Mallorca). Rügen ist ganzjährig schön und begehrenswert! In den beiden prosperierenden Jahrzehnten nach der Wende hat man versäumt, lärm- und rauchfreie Unternehmen (Agenturen, Verwaltungen, Reha-Kliniken, pädagogische Institute) anzuwerben. Statt dessen lässt man vorhandene aussterben (IT-Putbus). Man hätte Wohn- und Geschäftsräume in Prora zur Verfügung stellen können und das auch heute noch. Aber in den jetzigen planungsunsicheren Zeiten wird das schwieriger sein. Es gibt durchaus noch Möglichkeiten, den »Armutspegel« auf der Insel zu heben. Es fehlt eher an einer richtungweisenden Hand. Walter Möser, Binz

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