Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Repräsentative Demokratie

14.03.2019, T. Plitt, Breesen

Kreistagsmitglieder sind in freien Wahlen gewählte Vertreter der Bürger. Sie sollen also die Interessen der Bürger vertreten. Anfang März entschied sich der Kreistag in Rostock, im Namen der Bürger, eine Verbrennungsanlage für Klärschlamm in Rostock-Bramow zu errichten. Aus dem gesamten Norden Deutschlands soll der hochbelastete Schlamm nach Rostock gekarrt werden. Klärschlamm ist ein Restprodukt aus Kläranlagen. Schwermetalle und Medikamentenrückstände überstehen alle Stufen einer Kläranlage. Nach einer Verbrennung in der zukünftigen Anlage in Bramow, bleiben bei den jährlich prognostizierten 100.000 Tonnen Klärschlamm circa 9.000 Tonnen hoch belastete Asche übrig. Schwermetalle gelten als hoch toxisch. Zu ihnen gehören Blei, Cadmium, Chrom, Quecksilber usw. Schwermetalle können bereits in leichten Überkonzentrationen für den menschlichen Organismus giftig sein. Beim Menschen wirken chronische Schwermetallverbindungen auf bestimmte Organe und rufen Krankheiten hervor. Schwermetalle können in den Boden und ins Warnowwasser und von dort in die Nahrungskette gelangen, um dort physiologische Schäden zu verursachen. Zum Beispiel sammelt sich Blei bei der Aufnahme in Atemluft im menschlichen Organismus an und wirkt schon in geringen Spuren als chronisches Gift. Besonders Kinder sind gefährdet. Sie zeigen oft Intelligenz-, Lern- und Konzentrationsstörungen, auch kommt die Immunabwehr zu Schaden.

Da Klärschlamm nicht als Siedlungsabfall deklariert wurde, droht dem Betreiber der zukünftigen Verbrennungsanlage ab dem Jahr 2021 die Teilnahme am Emmisionshandel mit der Folge hoher Emmisionszahlungen. Haben die Volksvertreter im Kreistag die Folgen dieses weitreichenden Bauprojekts, dieser Dreckschleuder im Zentrum von Rostock, berücksichtigt? Kann man nicht solche hochsensiblen Projekte auf stillgelegten Militärgelände errichten? Oder anders gefragt, welche Lobbyisten stecken hinter diesem Projekt, einer hochbelasteten Verbrennungsanlage mit verheerenden Folgen für die Bürger von Rostock? Warum gibt es in Rostock keinen Aufschrei? In diesem Frühjahr sind Kreistagswahlen. Sollten wir da nicht Parteien wählen, die statt repräsentativer Demokratie, Basisdemokratie nach Schweizer Vorbild mit Volksabstimmungen in ihrem Programm haben?

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