Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Rente mit 73

09.06.2016, Dr. Ernst-Ludwig Hischer, Rostock

Die Forderung nach einer Rente mit 73 stellen Unternehmer, Politiker und Statistiker für die die Ausbeutung der Arbeitnehmer auf dem derzeitigen Niveau selbstverständlich ist bzw. die die Absicht haben, die Profite auf Kosten der Arbeitnehmer in Zukunft noch mehr zu steigern und die glauben, dass die »Rahmenbedingungen« des real existierenden Kapitalismus unveränderlich sind. Das zeigt besonders eine Aussage in einer Studie des arbeitgebernahen Instituts IW, danach müssten die Jungen deutlich länger arbeiten. Die Jungen? Also alle bis zum 73. Geburtstag, weil die »Jugend« ja angeblich die Rente für die Senioren »erarbeiten« muss. Die Studie des Instituts IW lenkt vom Hauptsachverhalt ab, wir versuchen ihn hier zu erläutern.

Norbert Blüm hat wiederholt gesagt, »die Rente ist sicher« und »guter Lohn – gute Rente«.

Die Gewerkschaft fordert einen »gerechten Lohn« als Voraussetzung für eine gute Rente. Die Begriffe guter Lohn und gerechter Lohn sind hier offensichtlich identisch. Es wird wahrscheinlich die Frage gestellt, ob solche Löhne im Zeitalter der Globalisierung und der chaotischen Zustände in vielen Teilen der Welt überhaupt noch realisierbar sind. Ja, sie sind realisierbar, besonders in Deutschland, warum? Die Wirtschaft boomt, Arbeitsproduktivität und Wertschöpfungen sind um ein Vielfaches im Vergleich zu den vorangegangenen Jahrzehnten gestiegen und Gewinne und Profite werden immer größer. Unter diesen Bedingungen können Unternehmer Arbeitern und Angestellten durchaus gerechte Löhne bzw. Gehälter als Voraussetzung für eine gute Rente im Alter zahlen.

Aber, was sind das für Löhne und Gehälter? Das sind Existenz sichernde Löhne und Gehälter, die mindestens dem Wert der Ware Arbeitskraft entsprechen. Der Wert der Arbeitskraft wird bestimmt durch die Kosten aller Lebensbedingungen, die zur Entwicklung und Weiterentwicklung des Menschen notwendig sind. Dazu gehören aber nicht nur die materiellen Güter, sondern auch die kulturellen und geistigen insbesondere Bildung und Erziehung, Ausbildung, Weiterbildung, ferner gesellschaftliche Aktivitäten und Freizeittätigkeiten. Die Größe des Wertes der Arbeitskraft wird außerdem durch die Qualifikation des Arbeiters bestimmt.

Man könnte meinen, dass das Zahlen gerechter Löhne und Gehälter an alle Arbeiter und Angestellten doch die Profite der Unternehmer zum Teil senken würde. Ja, das stimmt und es ist gerechtfertigt, weil der größte Teil der Wertschöpfung der Waren durch die Arbeitnehmer produziert wird und diese haben Anspruch auf Löhne und Gehälter und im Alter auf Renten, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Keine Angst, die Profite der Unternehmer werden auch dann immer noch um ein Vielfaches größer sein, als das Einkommen der Arbeitnehmer.

Arbeitnehmer, die gerechte Löhne bzw. Gehälter erhalten, sind bestimmt bereit, einen entsprechenden Beitragsatz für die Rentenversicherung zu zahlen, der eine gute Rente sichert.

Unter dieser Voraussetzung arbeitet der Arbeitnehmer nicht nur für den Betrieb und für seinen Lohn bzw. für sein Gehalt, sondern auch für die eigene Rente. Er muss kein schlechtes Gewissen haben, dass »die Jungen«, die zum Teil ja auch nur wenig verdienen, für seine Rente alles »erarbeiten« müssen.

Ja, es gibt auch andere Faktoren, die einen Einfluss auf die Rentenentwicklung haben. Der Hauptfaktor für eine gute Rente ist aber ein gerechtes Einkommen im Arbeitsalter.

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