Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Rechte, Freiheiten, Mitbestimmung

12.06.2018, Voigt Jens, Hagenow
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Zu "Gesudel"-Reaktionen"
im Schweriner Blitz vom 27.05.2018

Ich bin dankbar, dass wir hier in Deutschland nach Diktaturen und Teilung endlich realisieren können, was im 19. Jh. in Eisenach und Hambach eingefordert wurde: Rechte, Freiheiten, Mitbestimmung, Volkssouverounität etc.

Heute läuft längst nicht alles glatt, schon gar nicht im Sozialen. Aber es gilt anzuerkennen, dass der Kapitalismus trotz aller Unzulänglichkeiten dem Individuum ein MEHR zu bieten hat: mehr Lebensqualität, mehr Lebenserwartung, mehr Lebensfreude, mehr Perspektiven - und das alles ohne ideologieverpflichtende Bekenntnisse.

 

Folgende Einlassungen auf die Reaktionen zu meinem "Gesudel"-Vorwurf:

1. Karl-Eduard v. Schnitzler war als Apologet der DDR-Variante des Sozialismus bekannt, seine "Grenzfibel" (Inhalt: Erziehung zu Liebe und Hass) ist uns ehemaligen DDR-Bürgern allzu bekannt. Thomas Mann zu zitieren, ist zwar nicht unangemessen, aber aus dem Zusammenhang gerissen wirkt das als hätte sich eine hochbürgerliche und v. a. intellektuelle Persönlichkeit des 20. Jh. als Zeitgenosse dem Kommunismus zugewendet.

2. In keinem Land der Welt ist trotz enormer menschlicher Opfer die erfolgreiche Umsetzung des Kommunismus gelungen, kein einziges Land konnte realpolitisch ÃŒber die Diktatur (!) des Proletariats hinaus eine freie, klassenlose Gesellschaft errichten. Außerdem umschreibt der Kommunismus eine seiner Kernaussagen mit der "Beseitigung des Privateigentums an Produktionsmitteln", was einer Lähmung ambivalenter individueller Triebkräfte gleichkommt.

3. Alle (!) bürgerlichen Rechte und Freiheiten verdienen die Achtung der BÃŒrger, die sich zur parlamentarischen Demokratie bekennen. Ein "Ranking" würde der Wertschätzung individueller Wichtungen zuwiderlaufen. Für Heranwachsende ohne DDR-Sozialisation gilt: In Demokratien kann man mitmachen, in Diktaturen muss(-te) man.

4. Den SONNTAGSBLITZ (und andere Blätter) stets mit Texten zu versorgen, mag eine individuelle Vorliebe darstellen und dem ist auch nichts entgegenzusetzen. Nur - dass der SB immer wieder die gleiche Soße aufwärmt, das nervt und widerspiegelt meiner bescheidenen Meinung nach nicht die Einstellung der meisten Bürger dieses Bundeslandes.

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