Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ratfahren schwierig

04.10.2011, Rainer Jung

Ich durchquere auf meinem Arbeitsweg von Zarrendorf zur Fachhochschule und zurück täglich zweimal die Stadt Stralsund. Mit Befremden habe ich festgestellt, dass in den letzten Wochen immer mehr Radwege verschwunden bzw. zu Fußwegen umgewidmet worden sind. Bei meinen Recherchen im Internet unter www.stralsund.de stieß ich auf einen Artikel der Auszubildenden Frau Bender, in dem sie sich auf die Änderung der Straßenverkehrsordnung vom 1.12.2010 bezieht. Auf der Seite des Verkehrsministeriums habe ich mir die derzeit gültige StVO angesehen, dort allerdings keinen Passus gefunden, der den Abbau der Radwege begründen könnte. Laut Frau Bender gilt die Benutzungspflicht der Radwege nur noch an Hauptverkehrsstraßen. Aus meiner Sicht ist zumindest die Greifswalder Chaussee eine derartige Hauptverkehrsstraßen. Auch muss ich aus meiner täglichen Erfahrung der Meinung von Herrn Bogusch widersprechen, dass das Radfahren jetzt schneller und sicherer sei. Das Fahren auf dem Bürgersteig ist logischerweise nicht schneller, da verstärkt Rücksicht auf Fußgänger genommen werden muss und auch die Vorfahrtsregeln an Kreuzungen und Einmündungen für die auf dem Bürgersteig fahrenden Radfahrer nicht gelten. Das Fahren auf den Straßen ist eindeutig gefährlicher für den Radfahrer und nicht immer schneller, beispielsweise kommt man auf dem Pflaster der Große Parower Straße langsamer und unbequemer vorwärts als auf dem ehemaligen Radweg. Auf dem Knieperdamm und der Greifswalder Chaussee sind es mehr Ampeln und andere Ampelzeiten, die die Radfahrer verlangsamen.

Hinzu kommt, dass viele Autofahrer nicht verstehen, dass plötzlich Radfahrer auf der Fahrbahn sind, obwohl anscheinend gut ausgebaute Radwege vorhanden sind, und gerade im Berufsverkehr mit Hupen und aggressivem Verhalten reagieren. Es wäre angebracht, durch Schilder der Art »Achtung, Verkehrsführung geändert, Radfahrer auf der Fahrbahn« auf die geänderte Situation hinzuweisen. Überhaupt ist die Beschilderung durch Wegnahme der Radwegschilder nicht übersichtlicher geworden, das Schild »Radfahrer frei« wurde nur an wenigen Stellen an den Fußwegen angebracht, so dass man als Radfahrer den freigegeben Fußweg eigentlich immer wieder verlassen muss, durch die noch vorhanden Schilder »Vorfahrt gewähren und auf kreuzenden Radverkehr von links und rechts achten!« wird den Kraftfahrern suggeriert, dass weiterhin Radwege vorhanden sind. Auch die Hinweise auf den »Ostseeküsten-Radweg« sind überflüssig, da dieser ja jetzt auf großen Teilen nicht mehr vorhanden ist. Dadurch werden vor allem auch Touristen irritiert. Abschließend möchte ich Sie bitten, das Thema Radwege in der Stralsunder Bürgerschaft zur Sprache zu bringen, um die Entscheidung noch mal zu überdenken. Sinnvoll wäre es, bei erneuter Entscheidung auch Radfahrer und zwar solche, die täglich radfahrend in Stralsund unterwegs sind, einzubeziehen.

 

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