Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Radio MV nicht für Senioren

26.02.2014, Michael Strähnz, Schwerin

Ich stelle immer wieder fest, dass Mecklenburg-Vorpommern mit dem Anschluss an den NDR kulturell und im Erhalt seiner Identität verloren hat. Dazu trägt gerade der NDR, sowohl als Fernsehen als auch Radio entscheidend bei. In meinem Brief soll es nicht um Fernsehen gehen, weil eine Änderung dort durch die Zusammenarbeit mit den Ländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und die Hansestädte Hamburg und Bremen noch viel komplizierter wäre.

Der Radiosender NDR 1 Radio MV ist während der Hauptsendezeit zu einem billigen Dudelfunk verkommen. Dabei kritisiere ich vor allem die Auswahl des Musikprogrammes. Bis vor einigen Jahren war es klar, aktuelle Hits, Musik in englischer Sprache hörst du auf NDR 2 und für die Jugend gibt es N-Joy. Wenn du Schlager oder auch mal einen Liedermacher hören willst, dann suche NDR 1. Nun kommen einwenden, Musik ist immer eine Frage des Geschmacks und jedem recht getan ist eine Kunst die Niemand kann. Da stimme ich völlig zu, doch ich möchte dazu zwei Fragen aufwerfen: Warum gehören der deutsche Schlager (sowohl Ost als auch West, sowohl Alt als auch Neu) nicht zu Ihrem Musikprogramm? Ich selber höre diese Musik nicht. Zu meinem Musikprogramm als Alternative zum NDR (ich höre dann auch keine Privatsender) gehören die Musikstile der Welt und aus aller Herren Länder. Ich vertrete hier auch nicht meine ursächlichen Interessen. Doch zeigt mein Musikprogramm das Problem des NDR 1 auf, ich schließe nichts aus. Sie jedoch, schließen viele Hörerinnen und Hörer gerade der älteren Generation aus. Diese Menschen gehören eigentlich zu der Generation die den ganzen Tag das Radio anhaben und nie umschalten. Auf diesem Wege bin ich in meiner Jugendzeit auch zum hören von Volksmusik, Blasmusik oder Klassik gekommen. Es hat mir nicht immer gefallen, aber umgekommen bin ich dadurch nicht. Heute wünsche ich mir mehr Vielfalt! Eine ältere Schwerinerin sagte mir einmal, wenn ich die Werbung von Radio MV höre, »Wir haben verstanden, sie wollen mehr deutsche Musik« kommt es ihr vor, als wollte der Sender sie ohrfeigen. Denn Lindenberg oder Grönemeier mögen bzw. verstehen gerade die Älteren nicht. Warum wird die Musik, mit der ich aufwuchs, die mich als junger Mensch berührte und interessierte aus ihrem Sender verbannt? Ich möchte keine extra Sendung mit DDR-Musik oder Liedern aus Mecklenburg auf Platt! Ich möchte die Musik anerkannt als täglichen Farbtupfer im normalen Musikprogramm. Bemerken möchte ich hier auch noch, in der DDR gab es bedeutend mehr Künstler und Kapellen als die Puhdys, Karat oder City! Das Sie das deutschsprachige Musikprogramm auf Lindenberg und Grönemeier reduziert haben freut nicht jeden Radiohörer. Ich glaube, dass unsere Senioren es verdient haben für ihre Gebühren, auch mal Schlager aus ihrem Leben oder aus der Gegenwart zu hören die in ihrer Muttersprache gesungen werden.

Michael Strähnz, Schwerin

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