Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Prora - einst und heute

01.05.2019, Wolfgang Mengel, Stralsund

Der Terminkalender der Stralsunder Bundestagsabgeordneten Sonja Steffen (SPD) machte es möglich, in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Vereins Prora vor 65 Anwesenden unserer Akademie einen informativen Vortrag über den Koloss von Prora zu halten. In diesem Verein sind aufgrund von Synergieeffekten das Prora- und Dokumentationszentrum vereinigt. S. Steffen machte deutlich, dass nach der Wende die Reaktionen auf diesen Gewaltbau sehr verschieden waren: Letztlich haben sich die Befürworter der Erhaltung des Komplexes durchgesetzt. 1936 begann der Bau des „Seebad(es) der 20.000“, durch den Kriegsbeginn 1939 konnte das Ensemble nicht fertig gestellt werden. 1943 wurde der letzte Bauarbeiter abgezogen. Nach dem Kriege waren Sprengungen sehr schwierig. ZU DDR-Zeiten galt Prora als Sperrgebiet, weil die erhaltenen 5 Blöcke seit 1949 als „monumentalste Kasernenanlage der DDR“ genutzt wurden. Clemens Klotz (1886 – 1969) erhielt als Architekt den Auftrag zur Errichtung dieses Seebades. Er ist ebenso verantwortlich für die Errichtung der NS-Ordensburgen Vogelsang (Eifel), Sonthofen (Bayern) und Krössinsee (Polen, Pommern) und Bauten an der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Ein Sensationsfund in Köln brachte ans Licht, dass Adolf Leber ihm als Statiker bei allen genannten Bauten zuarbeitete. Heute steht der gesamte Komplex unter Denkmalsschutz. Die Anlage im Ort ist seit 2010 zu fast zwei Dritteln saniert. Bis jetzt sind Wohnungen, Museen, Ausstellungen und eine Jugendherberge untergebracht. Geplant sind weitere Wohnungen, Hotels und andere Einrichtungen nebst einer erforderlichen Infrastruktur, für die der Bund mit viel Unterstützung von S. Steffen und K. Kassner (Die Linke), der ehemaligen Landrätin von Rügen, 500 Mio. Euro zur Verfügung stellt, damit das alles bis 2022 abgeschlossen werden kann. Wirtschaftsminister H. Glawe (CDU) hat Prora den Status „Erholungsort“ verliehen. So wird aus dem geplanten KdF-Bad heute eine Wohlfühloase sowohl für das Umland als auch für die Touristen. Der 4,5 km lange Komplex ist das längste Gebäude der Welt. Neben dem „Reichsparteitagsgelände“ in Nürnberg ist Prora die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten. Die Teilnehmer dankten S. Steffen für ihren aufschlussreichen Vortrag und wünschten ihr als Vereinsvorsitzenden viel Erfolg bei der weiteren Ausgestaltung der Informationszentren.

W. Mengel, Seniorenakademie 55 plus

 

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