Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Preußischer Militarismus

13.01.2020, Gerhard Schiborowski, Hagenow

Erst in Ludwigslust und nun auch in Parchim sind Personenkreise bestrebt den preußischen Militarismus als positive Sache in Erinnerung zu bringen. Verkleistert unter dem Deckmantel toller ökonomischer und kultureller Leistungen dieser militärischen Einheiten für die Stadt/Region, ergeht man sich heute in Lobhudelei. Mit den Ausgaben für das Militär hätte man auf friedlichem Wege bessere Ergebnisse erzielt. Wenn auch als Großherzogliche Einheiten gegründet, so unterstanden sie ab 1871 dem Befehl des Kaisers. Wessen Geistes Kind die Kaiser bezüglich des Militärs waren lässt sich an ihren Aussagen messen. Wilhelm I. erhob in der Zeit der Sozialistengesetze, bei einer Rekrutenvereidigung, seine Forderungen. »Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, dass ich euch befehle, eure eigenen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen, aber auch dann müsst ihr meine Befehle ohne Murren befolgen.« Dieses galt nicht nur für die vor ihm Angetretenen sondern für sein gesamte Armee, auch für die Einheiten, in Ludwigslust und Parchim. Ein anderes Beispiel für die brutale Anforderrungen an das preußische Militär gab Kaiser Wilhelm II. mit seiner Anweisung an die Truppen zur Niederschlagung des »Boxeraufstand« in China. 27. Juli 1900 Wilhelmshaven. »Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen. Pardon nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschland in einer solchen Weise bekannt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.« In derartiger Weise agierte die »Schutztruppe« in den deutschen Kolonien in Afrika. Mit den zwei furchtbaren Kriegen die unter den Schlachtrufen »Für Kaiser und Reich« später. »Für Führer Volk und Vaterland« geführt wurden hat das deutsche Militär der Welt böse und abschreckende Erinnerungen hinterlassen. Sollte man eigentlich meinen aber ist es nicht so wie das Handeln Einiger in Ludwigslust und Parchim zeigt. Auch die neue Armee steht bereits wieder bereit, heute »Für Freiheit und Menschenrecht«, den Macht- und Profitinteressen der Monopole den Weg freizuschießen. Friedensfreude seid wachsam.

Gerhard Schiborowski, Hagenow

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