Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Presse- und Meinungsfreiheit bewahren

14.05.2019, Haiko Hoffmann, Schwerin

Es häufen sich die Attacken auf den NDR. Ist das Zufall ? Auffällig ist, dass Pauschalkritik gegen die Medien mit dem ca. 170 Jahre alten diffamierender Begriff „Lügenpresse“ losging, auch von Goebbels verwendet, nur ohne das Attribut „jüdisch“. Zu Goebbels Zeitpunkt wurden die Medien „gleichgeschaltet“. Kritische Vielfalt gab es nicht mehr.

Heute ist unsere Medienlandschaft bunt, bildhaft und vielseitig, mehr oder weniger kritisch, konservativ, links, rechts, mittig, sozialdemokratisch, … nicht mehr „gleichgeschaltet“. Nicht alles ist gut und schön, was da geschrieben oder gesagt wird. Manch Tendeziöses findet man da. Einseitigkeiten oder falsche Gewichtungen kommen vor oder Skandale, genauso wie Geniales. Es sind immer Menschen, die da agieren, mit all ihren Fehlern und Klugheiten.

Man kann ein Medium immer kritisieren. Das ist ein Grundrecht. Medienschelte gehört zu unserem Leben, sollte sachlich und möglichst fundiert sein. Das alles ist Widerspiegelung demokratischer Prozesse. Demokratie mit all ihren Mängeln ist nach 12 Jahren Faschismus und für einen Teil Deutschlands nach 40 Jahren SED-Dikatur unsere Gegenwart. Und zu dieser Gegenwart gehört eine ihrer Hauptstützen, die Medienwelt als Ausdruck von Presse- und Meinungsfreiheit. Demokratie steht und fällt auch und besonders mit dieser.

Nun aber greift zunehmend Polemik bis zuweilen bösartige „Medienschelte“ um sich. Wenn man aber am Baume Journalismus Axt und Säge ansetzt, die Medien pauschal „mainstream media“ (MSM) oder sonstwie „gleichgeschaltet“ schimpft, selbst zu sachlichen und wertungsfreien Beiträge Schlimmstes unterstellt, das z.B. im Falle des NDR bzw. Nordmagazins gar nicht geschehen ist, was man ja mit der Mediathek leicht prüfen kann, dann muss man sich fragen, ob das nicht System hat.

Bei uns ist der NDR bzw. das Nordmagazin Teil der Landschaft von Presse- und Meinungsfreiheit, mit all den Mängeln und Genialitäten. Den NDR als ein Medien-Flaggschiff des Nordens aber laufend derart anzugreifen in einer Art und Weise fern jeder Sachlichkeit und Objektivität ist keine Kritik mehr sondern ein Infragestellen. Der NDR kann berichten was er will – es ist immer schlecht. Hier geht es längst nicht mehr um Inhalte. Hier geht es um den NDR selber. Will man den NDR zerschlagen? Ein zerschlagenes Medium dieser Größe wäre ein großer Verlust für die Presse- und Meinungsfreiheit, d.h. der Demokratie. Und die ist das eigentliche Ziel gewisser Kräfte in diesem Lande. Auch sie wird mittlerweile zunehmend infrage gestellt. Man redet ja nicht zufällig immer mehr einen radikalen Wechsel des Gesellschaftssystems herbei. Angeblich zu mehr Demokratie. Selbst das Wort „Revolution“ taucht schon auf. Aber ein Infragestellen von Demokratie kann nicht mehr Demokratie nach sich ziehen sondern nur weniger bzw. gar keine.

Die Gefährlichkeit solcher Tendenzen, die auch schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, wird immer deutlicher. Churchill hat in einer Rede vor dem Unterhaus am 11.11.1947 gesagt: „In dieser Welt der Sünde und des Leids wurden und werden viele Regierungsformen versucht. Niemand behauptet, dass Demokratie perfekt oder allweise ist. In der Tat wurde gesagt: Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“

 

Welche Wahl haben wir dann also?

 

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