Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Politikverdrossenheit der Jugend?

20.11.2010, Mischa Dreger, Kühlungsborn

Am 18.11.2010 waren wir (20 bzw. 16 Jahre alt) zum ersten Mal auf einer Stadtvertreterversammlung in Kühlungsborn. Wir sind hingegangen, weil wir dachten, wir würden eine überzeugende Begründung bekommen, warum noch mehr vom Naherholungsgebiet Rieden in Kühlungsborn-West bebaut werden soll. Die bis dahin veröffentlichten Erklärungen finden wir nämlich wenig einleuchtend.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die erhoffte Begründung gab es nicht, stattdessen eine kurze Erklärung des Bürgermeisters inklusive Seitenhieb auf die Bürgerinitiative und eine ausführliche Erläuterung des Vorhabens durch einen Stadtvertreter. Aber eine Diskussion, die wir naiverweise erwartet hatten, fand nicht statt. Dabei gibt es doch viele Bürger, die gegen das Vorhaben sind und das auch mit ihrer Unterschrift bestätigt haben! Und das interessiert die Stadtvertreter so wenig, dass sie nicht einmal eine Erörterung für nötig halten? Dann die Abstimmung – eine einzige Gegenstimme von Frau Dr. Fink!

Ähnlich frustrierend der Tagesordnungspunkt Schwimmhalle: Ein Stadtvertreter stellte ausführlich dar, dass eigentlich die Stadtvertreter zu einem nicht geringen Teil selbst schuld an der Situation sind - ein guter Anfang, doch Schweigen bei den anderen Fraktionen. Und die Abstimmung? Soweit wir das verstanden haben, wird das eh` von der Rechtsaufsicht gekippt...

Doch abgesehen davon: Wir beide gehören ja zu der Generation, deren Gleichgültigkeit gegenüber politischen Vorgängen immer wieder beklagt wird. Wenn Stadtvertreterversammlungen immer so sind, dann ist das kein Wunder! Eigentlich ist es egal, ob man da hingeht oder nicht. Fragen zu den Tagesordnungspunkten darf man nicht stellen, Meinungsäußerungen sind überhaupt nicht erlaubt und wie die Vertreter der Verwaltung mit einigen Bürgerfragen umgingen – da überlegt man sich schon sehr, ob man sich dem auch aussetzen möchte.

Und noch etwas, was uns doch sehr gewundert hat. Die Kämmerin erklärte sinngemäß zu einer Bürgerfrage, der Abriss der Schwimmhalle sei 10 Jahre her (?), sie könne sich nicht erinnern. Wenn wir unseren Lehrern auf eine Frage zu einem angekündigten (die Schwimmhalle war Tagesordnungspunkt!) Unterrichtsthema erklären, wir könnten uns leider nicht erinnern, das sei schon zu lange her, gibt`s eine „6“ – und das wohl zu Recht.

Mischa und Milva Dreger, Kühlungsborn

 

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