Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Politik in die Pflicht nehmen

08.03.2018, Brigitte Schneider, Warnemünde

In den vergangenen Tagen konnten wir in den Medien wieder einmal viel Erfreuliches über das Ehrenamt bzw. über ehrenamtlich aktive Mitmenschen erfahren. Auf der Ehrenamts- und der Ostseemesse hatte man auch Gelegenheit, persönliche Gespräche mit einigen zu führen und ich hoffe sehr, dass von Seiten der Besucher auch ein Dankeschön herüber kam. Ich war in 60 Jahren meines jetzt 80-jährigen Lebens immer ehrenamtlich tätig, für Kinder und ältere, kranke und behinderte Menschen. Man investiert viel Zeit fürs Helfen, Beraten, Zuwenden u. a., bekommt aber auch viel Achtung, Dank, Glück und Freude zurück. Nach der gesellschaftlichen Wende in der DDR wurde es dringender denn je notwendig, sich um die Bewältigung der Probleme und Sorgen derer zu kümmern, die sich nicht selbst helfen können.Ich gebe unserer Ministerpräsidentin, Frau Schwesig, unbedingt recht, wenn sie sagt, die Ehrenamtler »bringen Freude und Trost, sorgen für Zusammenhalt und menschliche Wärme, denn ohne ihr bürgerschaftliches Engagement würde das soziale Gefüge auf Dauer nicht bestehen können«. Ihr Vorgänger hat mal gesagt, ohne die ehrenamtliche Arbeit wäre unser Land bedeutend ärmer. Die Wertschätzung dieser Menschen durch die Politik ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die Pflicht der politisch Verantwortlichen sollte doch vor allem darin bestehen, dass sie die Arbeits- und Lebensbedingungen für alle Bürger sozial und gerecht organisieren und gestalten. Manchmal habe ich den Eindruck, man verlässt sich zu sehr auf das freiwillige bürgerschaftliche Engagement durch immer mehr Ehrenamtler. Mir fallen da eine Reihe dringender Entscheidungen für unser Leben ein wie z. B. bezahlbare Wohnungen, Erhöhung des Mindestlohnes, Überwindung des Pflegenotstandes, Bekämpfung der Ursachen für die Notwendigkeit der »Tafeln«, damit in unserem reichen Deutschland niemand hungern muss u. v. a. m. Ehrenamtliche Arbeit wird dadurch nicht weniger, sie wird anders sein und bessere Grundlagen haben.

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