Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Opium des Volkes

04.09.2012, Dr. sc. habil. Klaus Wirth, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Opium für das Volk"
im Schweriner Blitz vom 12.08.2012

Mit Pathos versucht ein sich »outender« Herr R. Hubert – ich unterstellte schon einen anderen Kontext – missionarisch dem Leser die »Diktatur des Proletariats« in ihrer Furchtbarkeit wegen ihres existenzbedrohlichen Atheismus zu erläutern. Ein Laie versucht mit wenig differenziertem und diskriminativem Wissen Volksaufklärung zu leisten. Auch dies gehört zur Freiheit des Andersdenkenden, kann aber wohl nicht stillschweigend hingenommen werden.

Falsch ist die Formulierung »Opium für das Volk« - worum brotessende Wissenschaftler in der BRD streiten, ob diese Formulierung so stimme – falsch ist es, sie auch noch Lenin anzudichten! Richtig zitiert muss es heißen: »Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.« Zitiert aus Karl Marx (zweitgrößter Deutscher nach ZDF-Abstimmung) »Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie«, AWK in sechst Bänden, Dietz Verlag Berlin 1974, S. 10.

Metaphysik, Esoterik und religiöse Zuwendung der Menschen wachsen – soziologisch gesehen – stets in sozial unsicheren Zeiten. Schaut auf dieses Land, betrachtet die aktuellen Weltzustände! Gleichwohl nimmt Herr H. nie Stellung zu einer Form der Diktatur – durch ihre hierarchische Gliederung und den päpstlichen Unfehlbarkeitsanspruch, die kirchlicherseits ausgeübt wird. Ein Amen für die Meinungsfreiheit der Freidenker – wäre wirklich traumhaft schön.

Wahrlich, Herr H. outete sich, indem er das demokratieungesteuerte Finanzkapital, das ganze Völker in den Ruin treibt; die Befürwortung der Kriegsbeteiligung der Regierenden in Afghanistan, die ca. 80 Prozent der Bundesbürger ablehnen und den in dieser Demokratie möglichen faschistischen Terror (das, was ein Untersuchungsausschuss des Bundestages zu bearbeiten hat) direkt oder indirekt befürwortet. Welch ursachenvergewaltigendes gedankliches Chaos wird da dem Leser geboten. Im übrigen: Die grundgesetzlich in sinnvollen Grenzen gehaltene Meinungsfreiheit wird verfassungsschützerisch streng beäugt – auch wenn oft nur, mit I. Kant, zyklopenhaft. Dennoch: »Werdet nicht wie Roß und Maultier, / die ohne Verstand sind.« (Psalmen, 32, 9)

 

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