Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Offener Brief an Christian Pegel

02.04.2019, Thomas Kibelksties, Wismar

Sehr geehrter Herr Minister Pegel,

als besorgter Bürger, der unsere Stadt Wismar sehr mag und helfen möchte, zukünftigen Schaden von ihr

abzuwenden, appelliere ich an Sie, sich der Bedürfnisse der Bürger anzunehmen und in Planungsangelegenheiten im Sinne Wismars Einfluss zu nehmen.

Anlass meines Schreibens ist die Meldung in der Ostsee-Zeitung vom 28.02.12019, dass Sie den Planungsprozess

im Rahmen der Landesstrasse 12, im Besonderen im Abschnitt 10, der Brücke über den Wismarer Mühlenteich,

vorantreiben wollen.

Beim Mühlenteich handelt es sich um einen innerstädtischen See, der im ISEK (Integriertes

Stadtentwicklungskonzept) als schutzwürdige Zone ausgewiesen wird. Zudem wird der anliegende Stadtteil,

Wismar Ost, im ISEK als besonders förderungsbedürftig hervorgehoben, und Massnahmen zur

Weiterentwicklung des Stadtteils werden vorgeschlagen.

Im selben Dokument, wie auch in anderen Planungsunterlagen, wird als Ersatz zur betagten Hochbrücke lediglich

eine neue Hochbrücke vorgesehen.

Wie kann man sich erklären, welche Interessen haben dort Einfluss genommen, dass keine bautechnisch und

verkehrstechnisch anderen, vielleicht besseren Varianten vorgeschlagen werden ?

Dabei ist doch offensichtlich, dass sich mit dem altersbedingten Abriss der derzeitigen Hochbrücke aus

Altersgründen eine wunderbare Möglichkeit für Wismar auftut, ein städtisches Gebiet zu entwickeln und hiermit

den Stadtteil Wismar -Ost aufzuwerten und die Lebensqualität in der ganzen Stadt zu heben.

Eine Einbeziehung städtebaulicher, soziologischer und architekturpsychologischer Aspekte führt zwangsläufig

zur Erkenntnis, dass es zur Herstellung einer hohen Lebensqualität anderer Massnahmen bedarf als einer

möglicherweise auch rechtlich anfechtbaren Hochbrücke, die einen schützenswerten See und ein zu förderndes

Wohngebiet beeinträchtigt.

Warum wird der Öffentlichkeit nicht die eine Troglösung mit Unterführung angeboten ? Wie bekannt liegt eine

Dokumentation dazu bereits vor.

Zwingende Gründe dafür - und gegen die Brücke - gehen unter anderem aus der Planungsvorlage Ihres eigenen

Hauses und aus dem Regionalen Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg hervor.

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Hierfür ein Beispiel:

„Die Bedeutung des Mühlenteichkomplexes spiegelt sich ebenso im Schutzgut Landschaft wieder. So handelt es

sich bei dem Mühlenteich mit seinen Uferbereichen um ein Landschaftsbildprägendes Element besonderer

Bedeutung (hohe Landschaftsbildqualität).

Was macht die bevorzugte Variante der Hochbrücke mit dieser Qualität laut der Bewertung Ihres eigenen

Hauses?

„Die Varianten 3 und 4 nehmen Teile des Landschaftsschutzgebietes als auch des Landschaftsbildraumes mit

hoher Landschaftsbildqualität (Mühlenteich) in Anspruch und zerschneiden diese.“

Zerschnitten wird durch die Hochbrücke auch die Möglichkeit einer städtebaulich bewohnerfreundlichen

Nutzung des Seerandgebietes.Im ISEK wird kein Konzept vorgestellt, wie der Bereich im Westen des

Mühlenteiches entwickelt werden könnte.Diese wichtige Aufgabe wird ausdrücklich als nachrangig beiseite

geschoben und der Hochbrücke wird Vorrang eingeräumt. Es werden Fakten geschaffen, die anschliessend einer

guten und nachhaltigen Stadtplanung im Wege stehen.

Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie man man einer Stadt und seinen Bürgern kostbare Fläche

wegnehmen kann, ohne vorher die möglichen städtebaulichen Konsequenzen gründlich zu erforschen ?

Der Planer hat hier Verantwortung, nicht nur, was die jetzigen Bewohner, sondern auch, was die nächsten

Generationen angeht. Die Wirkungen von Strassenbau und Stadtplanung dauern über die Verweildauer der

derzeitigen Politiker hinaus.

Hier könnte, statt einer neuen trennenden Hochbrücke, durch vielfältige Nutzungen Lebensqualität entstehen.

Lärmarme Wohnquartiere, Grünflächen zu sportlicher Betätigung und Erholung - innen wie im Freien,

Fahrradwege, Begegnungsstätten, Ausblick auf die und Nutzung der Natur, ein so dringend benötigter

Kunstraum im denkmalgeschützten Wismaria -Anwesen. Genauso, wie es das ISEK fordert, nur dass die Planer

keine Konsequenzen daraus ziehen.

Die Wismarer haben ein Recht darauf, von den zuständigen Behörden und Politikern Lebensqualität geliefert zu

bekommen. Sie müssen gehört werden auch zu alternativen Vorschlägen. Für die Entwicklung einer guten

Lösung muss genug Zeit geschaffen werden.

Ohne den Planern des Strassenbauamtes eine vorzügliche Arbeit abzusprechen, sie allein zu lassen mit einer

Verantwortung über ihr Ressort hinaus, die das Wohl Aller im Zusammenhang mit dem städtebaulichen Aspekt

der Planung angeht, ist falsch und kontraproduktiv. Neben den Strassenplanern sind weitere Experten

anzuhören. Und auch die Bürger sind zu hören, da jeder Bürger Experte für sein eigenes Wohlbefinden ist.

Uns Wismarern liegt unsere Stadt am Herzen, und ich hoffe, Ihnen auch.

In diesem Sinne bitte ich Sie, Herr Minister Pegel, tätig zu werden und alternative Planungen im Sinne einer

modernen Stadtentwicklung zu ermöglichen.

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