Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Offener Brief

13.01.2016, Hubertus Wunschik Christine Borgwald (Vorstand de DROM e.V.), Sewan Latchinian (Intendant des Volkstheaters Rostock)

Seit seiner Gründung im Jahre 2010 hat sich der Verein „de DROM" e.V. für die Idee der „Regiopole“ stark gemacht, und dies mit dem Namenszusatz „Gesellschaft zur Förderung von Kultur, Bildung und Gemeinwesen in der Regiopole Rostock“ unterstrichen.

Das erste orts- und spartenübergreifende Kulturfestival „regio:polis“ hatte der Verein maßgeblich organisiert, unterstützt und erfolgreich umgesetzt. In diesem Jahr soll die dritte Auflage des Festivals mit Schwerpunkt Literatur realisiert werden.

Die Planung und Organisation liegt 2016 bei dem Verein Region Rostock Marketing Initiative e.V. In dessen Vorstand sitzt u.a. der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling, der sich bekanntlich dafür einsetzt, das 4-Sparten-Theater in Rostock zu beschneiden und beharrlich daran arbeitet, den Intendanten des Volkstheaters Rostock los zu werden.

Nun hat der Verein "de DROM" e.V. sich regelmäßig gemeinsam u.a. mit der Initiative Volkstheater für den Erhalt des Volkstheaters mit seinem Intendanten Sewan Latchinian stark gemacht. Dies geschieht durch vielfältige Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei wurden auch Aufkleber und Postkarten verteilt: „Herr Methling! Selbst Ihre Wähler wollen ein 4-Sparten-Theater!“, „Theater ist Heimat.“, „Erst nehmen sie dir das Theater, dann die Freiheit.“, „Das ist Kunst, das kann weg. Erst ist das Theater dran. Dann du.“, „Sie zerschlagen das Theater, danach dein Recht auf Bildung.“ Diese Flyer fanden Anfang Dezember 2015 auch ihren Weg in den Vorraum der gemeinsamen Geschäftsstelle von Rostock Business und der Region Rostock Marketing Initiative e.V. Hier tagte die Projektgruppe zur Vorbereitung des Kulturfestivals „regio:polis“, an der die Vorstandsmitglieder von „de DROM" e.V., Hubertus Wunschik und Christine Borgwald, teilnahmen.

Nach der Sitzung am 11. Januar 2016, überreichte die Projektkoordinatorin der Regiopolregion Rostock, Kathleen Bartels, den de DROM-Vorsitzenden einen von ihr und von dem Geschäftsführer der Region Rostock Marketing Initiative e.V., Christian Weiß, unterzeichneten Brief mit der Überschrift: „Unsere Zusammenarbeit für das Kunst- und Kulturfestival regio:polis“.

Nach reiflicher Überlegung und mit Hinweis auf den Artikel 5 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu

verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung. ziehen wir aus Protest gegen dieses Schreiben unsere umfangreichen Beiträge, u.a. die Abschlussveranstaltung, von dem Festival „regio:polis“ zurück. Kunst und Kultur sind nicht neutral, sie sind immer politisch. 25 Jahre nach der politischen Wende lassen wir uns nicht den Mund

verbieten. Als freier Kulturträger sind wir nicht einem vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock oder sonst wem verpflichtet.

Aus Solidarität mit dem Verein „de DROM" e.V. zieht das in die Planung eingebundene Volkstheater Rostock seine Beiträge, u.a. die Eröffnungsveranstaltung, ebenfalls zurück.

Die Veranstaltungen von "de DROM" e.V. und des Volkstheaters Rostock werden im April/Mai 2016 unabhängig vom Festival „regio:polis“ stattfinden (siehe www.volkstheater-rostock.de, siehe www.de-drom.de).

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.