Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Offener Brief

06.01.2020, Peter Hoffmann, Rostock

Sehr geehrte Frau Merkel, nachdem ich Ihre Neujahresansprache gesehen habe, musste ich Ihnen einfach mal schreiben. Mir wurde für die Zukunft bange. Wenn Sie von glorreichen 20er Jahren sprechen, frage ich mich, ob Sie vielleicht die Zahl verwechselt haben und die des 19. Jahrhunderts meinen. Mein Name ist Peter Hoffmann, ich wohne in Rostock, bin Rentner und Rollstuhlfahrer. Der Hype um den Klimaschutz und die Reaktionen darauf sind beängstigend. Ich wurde im Sinne von Natur- und Tierschutz erzogen und so habe ich auch meine Kinder erzogen. Nun kommt so ein kleines schwedisches Mädchen, Greta Thunberg, welches bockig wird, wenn nicht gleich auf sie gehört wird und alle fallen in Panik. Hat sie mal einen Vorschlag zu Verbesserungen gemacht? Nein! Aber wir wollen als Deutschland wieder das Klima der ganzen Welt retten. Was hat den »Friday for future« gebracht? Ein Haufen Müll, der nach den Demonstrationen zurück bleibt. Toll. Warum gehen all diese Leute nicht ans aktive Säubern der Umwelt. Ich habe Hochachtung vor den Menschen, die nicht viel quatschen, sondern handeln. Die Strand und andere Dreckecken säubern. Das ist aktiver Umweltschutz. So machen auch Menschen (ich habe mir leider den Namen des Mannes nicht gemerkt) konkrete Vorschläge, aber diese werden nicht gehört. Oder unterstützen wir den Mann, der Plaste aus den Weltmeeren entfernen will? So hätte ich auch von unserer Regierung Vorbildwirkung erwartet. Warum noch zwei Regierungsstädte? So würden all die Flüge entfallen. Man brauchte dann für den Berliner-Stadtverkehr nur auf E-Fahrzeuge umrüsten und für Fernreisen ist die Bahn zu nehmen. Aber nein, der kleine Mann soll wieder alles reißen und die Umwelt retten. Wo bleiben mal durchgreifende Maßnahmen zur Industrie und den Kreuzlinern? Aber die kaufen sich frei. Durch all das, was Sie zur Zeit an Gesetzen verabschieden, werde ich immer mehr in meiner Mobilität eingeschränkt, was meine Lebensqualität stark verschlechtert. Zur Zeit wird ein Gesetz nach dem anderen verabschiedet, ohne mal auf die Randgruppen zu achten. Wir als Gehbehinderte und dann noch Rentner sind uninteressant und haben keine Lobby. Ich habe selber festgestellt, dass man als Rentner in diesem Staat keine Wertschätzung mehr erfährt. Zum Beispiel sollen Pkws aus den Innenstädten verbannt werden. Der Sprit wird jetzt schon teurer, obwohl erst für 2021 vorgesehen. Und jeder soll auf E-Auto umsteigen. Hat man da mal vorher nachgedacht? Nein! Wie soll ich dann zu Behörden bzw. zum Arzt kommen? ÖPNV ist keine Alternative. Der Sprit ist bald so teuer, dass ich mir mein Auto nicht mehr leisten kann. Bei einem E-Fahrzeug gilt: 1. Es ist so teuer, dass ich es mir nicht leisten kann. 2. Es gibt zur Zeit kein E-Fahrzeug mit einem Kofferraum für Kran und Rollstuhl. 3. Wo soll ich es aufladen? Und dann wird auch noch der Strom teurer. Auf eine Anfrage beim Behindertenbeauftragten der Bundesregierung zum Einfahrtverbot von Dieselfahrzeugen in bestimmte Straßen erhielt ich eine Antwort, die erahnen lies, dass er meine Frage nicht mal verstanden hat? Warum wird immer an Entlastungen für alle anderen gedacht, wie Handwerker und Pendler, an Gehbehinderte aber nicht? Als ich mein neues Auto kaufte, gab es nur ein Dieselfahrzeug mit Automatikkupplung. Also musste ich Diesel nehmen. Und nun bin ich deshalb plötzlich ein Umweltsünder? Wo sind die Behindertenvertreter in Regierung, Bundesländern und Städten, wenn man sie mal braucht. Ich glaube, Sie können sich nicht in die Lage eines Behinderten versetzen. Sie sollten sich mal ein Beispiel an Frau Kristine Vogel nehmen, die setzt sich zur Zeit mehr für die Belange von Behinderten ein, als jeder Politiker es tun müsste. Solche Menschen gehören auf den Stuhl eines Behindertenvertreters. Sehr geehrte Frau Merkel, ich mache mir schon Gedanken schonend mit unserer Umwelt umzugehen, aber alleine werde ich es wohl nicht schaffen. Genauso, wie wir Deutschen es auch nicht alleine schaffen werden. Wir Menschen sind doch nur ein kleiner Teil der Natur. Die Natur wartet nicht, sie handelt schneller als wir Menschen. Es wäre schön, wenn der Brief Sie erreicht und auch mal an unsere Gruppe gedacht wird.

Mit freundlichen Grüßen

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