Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Nichts gelernt

02.09.2019, Wolfgang Mengel, Stralsund

Nichts gelernt

In Brandenburg und Sachsen fanden LT-Wahlen statt, das Ergebnis ist bekannt. Beruhigung für CDU und SPD, dass sie doch in ihrem jeweiligen Land stärkste Kraft geworden sind, ist wohl zu hoch gestapelt. In beiden Ländern griff aufgrund ihrer unermüdlichen Gespräche der Landesvater-Bonus, sonst wäre es wohl sehr schlecht ausgegangen. Der große Wahlsieger ist die AfD, die aus allen Parteien Zulauf bekam. Und warum? Aus meiner Sicht haben alle etablierten Parteien noch immer nichts begriffen. Wo bleibt die Analyse ihrer Arbeit unter der generellen Fragestellung: „Was machen wir verkehrt, dass uns so die Leute/Wähler weglaufen?“ Das zweite Problem: Der Wille von durchschnittlich 25 % der Wähler, die die AfD gewählt haben (egal, ob aus Überzeugung oder Protest), wird missachtet, indem die Partei nach wie vor ausgegrenzt wird. Demokratie muss täglich neu erkämpft werden, aber nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Diskussion und Einbeziehung. Wenn die zukünftige Auseinandersetzung der Parteien mit der AfD so aussieht wie bisher, wird bei nächsten Wahlen das Erwachen möglicherweise noch schlimmer sein als jetzt! Nun muss die bisherige Nichtbeachtung des ländlichen Bereichs als Feigenblatt her! Da ist sicherlich bisher viel schief gelaufen, aber das ist nicht der Knackpunkt! Die Liste der Versäumnisse ist lang und geht natürlich bis zum Bund: Lohn, Rente, Pflege, Bildung, die nicht gerechtfertigte Russlandpolitik, USA- und NATO-Hörigkeit, die Milliarden für eine unnötige Rüstung verschlingen, die Teilnahme Deutschlands an militärischen Einsätzen bei einer gewaltigen Kriegsschuld aus dem vergangenen Jahrhundert (zwei Weltkriege verursacht) und, und, und … Und dass das im Osten seinen Schwerpunkt hat, der nach fast 30 Jahren immer noch nicht auf Augenhöhe mit der westlichen Seite steht, ist nachvollziehbar. Der Wähler hat seine Schuldigkeit mit dem Kreuz auf dem Wahlzettel getan, das war´s. Auf die Regierungsbildung hat er nach der Wahl schon keinen Einfluss mehr. „Alle Macht geht vom Volke aus! Das Volk ist der Souverän!“ Auch in der täglichen Praxis?

(Nur nebenbei: Ich bin weder Wähler noch Sympathisant der AfD).

Wolfgang Mengel, Stralsund

 

 

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