Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Neun Briefe

01.11.2019, Brigitte Schneider, Warnemünde

Als ich von einer 14-tägigen Kur aus Marienbad zurück kehrte, fand ich wie immer auf meinem Küchentisch von meiner Tochter ordentlich sortiert, alles was sie täglich in meinem Briefkasten fand. Innerhalb dieser Zeit waren neun Briefe mit Bitten um eine Spende, verbunden mit kleinen Geschenken, angekommen. Sicher machen alle, die einmal gespendet haben, die gleichen Erfahrungen wie ich: Es wird nicht nur in der Weihnachtszeit besonders herzlich und dringend um Spenden gebeten, sondern eigentlich das ganze Jahr hindurch. Ich habe durchaus Verständnis für die Bittsteller. Jedes Anliegen ist außerordentlich wichtig und sollte von denen, die es finanziell können, unterstützt werden. Aber meine Wut wächst mehr und mehr auf die politisch Verantwortlichen in der Welt und in Deutschland, die direkt oder indirekt für diese ungerechte Lebenssituation vieler Menschen auf unserer Erde verantwortlich sind. Da kann man vor jenen, die in den verschiedenen Vereinen und Verbänden um eine solidarische Hilfe bitten, hochachtungs- und respektvoll den Hut ziehen. Andererseits gibt es soviel Reichtum und wird so verschwenderisch mit Geld umgegangen, nicht zuletzt auch mit unseren Steuergeldern. Darüber brauchen sich unsere Politiker nicht ärgern, denn sie sind rundum gut versorgt. Sie zahlen nicht einmal in die Rentenkasse ein und müssen trotzdem nicht fürchten, in die Altersarmut zu fallen. Da ist es doch verständlich, dass sie sich nicht auf die Sicherung einer Grundrente für alle, die gearbeitet haben, einigen können. Obwohl ich weiß, dass ich mit meinen Spenden nicht das Grundübel unserer Gesellschaft ändern kann, werde ich auch weiterhin von dem was ich habe etwas abgeben. Aber es fiel mir die Entscheidung schwer, welche der vielen Bittsteller ich bevorzugen sollte. Ich habe mich für »Ärzte ohne Grenzen« und für den Bundesverband Rettungshunde e. V. entschieden. Wäre es nicht Pflicht des Staates, für die Sicherung der Ausbildung der tierischen Lebensretter, für die Finanzierung der notwendigen Pfotenschutzschuhe für Trümmersuchhunde sowie für die Instandhaltung und den Ausbau der Trainingszentren die Verantwortung zu übernehmen?

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