Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Nachvollziehbar

02.09.2019, Haiko Hoffmann, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Nachvollziehbar"
im Schweriner Blitz vom 25.08.2019

Ich kann Herrn Dr. Bomke nur zustimmen. Und ich muss seine Aussagen zur freien Religionsausübung für alle ergänzen.

Es ist nicht nur dem Islamischen Bund in Schwerin derzeit nicht beschieden, sein akutes Raumproblem zu beheben, sondern es geht um den kleineren Verein schiitischer Muslime, dem Islamischen Zentrum Schwerin e. V., welcher von 2008 bis Februar 2019 beim Bahnhof in einem kleinen, beengten, heruntergekommenen, aber provisorisch einigermaßen hergerichteten und auch von Schweriner Bürgern gerne besuchten ehemaligen Imbiss zu Hause war, nicht besser, um nicht zu sagen, noch arger. Wir haben nämlich nach dem Tode des Vermieters kurz nach dem Verkauf durch Kündigung unsere Basis verloren. Der neue Vermieter ließ verlauten, dass er just zum 1. April dort wohnen wolle. Bis heute sieht es aber nicht danach aus. War wohl nur ein Aprilscherz? Es ist unverständlich, wieso sich ein Vermieter Mieteinnahmen von immerhin mittlerweile mehr als 2.000 Euro, entgehen lässt, es sei denn, er wollte uns Muslime dort einfach nur raushaben bei Inkaufnahme finanzieller Einbußen. Wir wissen es nicht. Die Folge ist, dass derzeit zum Beispiel wir schiitischen Muslime nicht die Möglichkeit haben, sich zehn Tage (01. bis 10.09.) lang abendlich zu treffen, um des Märtyrertodes des Prophetenenkels Husain durch Truppen des Kalifen Yazid bei Kerbala im heutigen Irak zu gedenken, indem dieser sich nicht korrumpieren ließ und nicht bereit war, Tyrannen zu unterstützen, was sein Todesurteil war. Selbst Gandhi benannte ihn oft als Vorbild für seinen eigenen Kampf. In der Vergangenheit konnten dies zwischen 100 und 150 Geschwister zwar beengt aber frei tun und trauern durch Gebet und Rezitation, ohne andere zu stören. Dieses Jahr ist es uns jedoch verwehrt, sich abends zu treffen, außer vielleicht in privatem Rahmen, was aber eigentlich niemandem zuzumuten ist, weder dem Gastgeber noch den Nachbarn. Selbst Lehrer haben schon bei der Stadtverwaltung angefragt, ob denn entsprechende Räume vorhanden sind. Momentan sieht es so aus, dass weder von Seiten der Stadt noch durch andere geeignete und bezahlbare Räumlichkeiten zu Verfügung gestellt werden können, weder für diese zehn Tage noch für dauernd. Zu unserer Trauer um Husain kommt die Traurigkeit, nicht gemeinschaftlich beten und trauern zu können, was den einen oder anderen vielleicht sogar freut, wenn er das hier liest. Wir haben aber dankbarerweise auch tröstenden Zuspruch von Schwerinern - Allahu Akbar! (Gott ist größer, immer!)

Zwar haben wir das Grundrecht der freien Religionsausübung, aber ausüben können wir es zur Zeit nicht.

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