Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Misshandelte Kinder

04.02.2014, Brigitte Schneider, Warnemünde

Unabhängig davon, dass Kritiker das Buch »Deutschland misshandelt seine Kinder« von den Gerichtsmedizinern Tsokos und Guddat, als populistisch, pauschal und praxisfern bezeichnen, so besteht nachweisbar ein dringender Handlungsbedarf der Gesellschaft, alle gefährdeten Kinder zu schützen. Der Streit um Zahlen ist dabei völlig überflüssig.Selbst ein misshandeltes oder getötetes Kind ist eins zuviel. Der Aussage des Berliner Generalsekretärs der CDU, Kai Wegner, dass die Ursache für Kindesmisshandlungen »... in aller Regel eine Überforderung der Eltern« ist, stimme ich nur bedingt zu. Es gibt allerdings viele gesellschaftliche Ursachen dafür, dass Eltern überfordert sind, vor allem, weil sie die Widersprüche zwischen ihren sozialökonomischen Verhältnissen und den notwendigen Erfordernissen einer liebe- und verantwortungsvollen Erziehung sowie einer gesicherten materiellen Lebenssituation ihrer Kinder nicht mehr beherrschen. Die CDU hatte in den vergangenen Jahren genügend Zeit, sich diesen Problemen zu stellen und Veränderungen zu veranlassen.

Nun meldet sich ein führender Berliner CDU-Politiker mit dem Vorschlag, einen »Elternführerschein« und »verpflichtende Erziehungskurse für Mütter und Väter« einzuführen. (Vor oder nach der Geburt?) Da weiß man tatsächlich nicht, ob man weinen oder lachen soll. Ich habe mich für das Weinen entschieden, ohne meine aktive Reaktion auf solchen politischen Unsinn einzuschränken.

Mehr Mitarbeiter in den Jugendämtern sind immer noch nicht genug. Sie sind wichtig, zumal wenn sie mit guten pädagogischen/psychologischen und verantwortungsvollen Handlungsfähigkeiten ausgerüstet sind und diese beständig vervollständigen (verpflichtend müssen).

Ich weiß nicht, ob es das schon gibt, aber wie wäre es mit der Einbeziehung vieler vorbildlicher Mütter, Väter und Großeltern in eine ehrenamtliche Mithilfe für überforderte Eltern? Ich meine aber nicht, dass sich der Staat dann noch mehr aus der Pflicht nehmen kann, im Gegenteil!

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