Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Mischung aus Wut und Angst

23.11.2011, Brigitte Schneider

Es ist kaum nachvollziehbar, warum es in der Bundesrepublik Deutschland so schwer ist, eine offensichtlich verfassungsfeindliche Partei zu verbieten und warum zigtausende Euros ausgegeben werden müssen, um vom Verfassungsschutz durch fragwürdige V-Männer (Frauen) dies bestätigen zu lassen. Obwohl gerade deren Einsätze ein Verbot bisher verhindert, sollen sie bleiben. Reicht eine ernsthafte Analyse der vielen Beispiele im gesellschaftlichen Leben, von unflätigem Benehmen und nazistischen Hetzparolen im Landtag oder in internen bzw. öffentlichen Veranstaltungen bis hin zu Körperverletzungen und Mord nicht aus? Bei Aufmärschen der Nazis konzentriert sich die Staatsmacht vorrangig auf jene, die sich dem braunen Mob entgegen stellen. Es ist aber leider rechtens, denn die Nazis können eine offizielle Genehmigung vorweisen, deren Gegner reagieren oft spontan und folgen ihrem gesunden Menschenverstand. Gewaltbereite Kräfte in Bündnissen gegen Rechts ermöglichen leider auch manchmal Eskalationen dieser Art.

Im März 2011 sammelten sich ca. 200 Nazis vor und im Rosto­cker Hauptbahnhof. Es war für mich nicht erkennbar, wem der Schutz durch die Polizei galt, den schwarz gekleideten Glatzköpfen oder den eventuell kommenden Andersdenkenden. Die Aufschrift auf allen Jacken der sich sammelnden Braunen lautete: »Bis zum Endsieg«. Ich habe versucht, mit den überwiegend jungen Leuten ins Gespräch zu kom­men. Sie reagierten mit Hohn und dummen Sprüchen auf meine Fragen, wen und was sie besiegen wollen. Ich habe ihnen gesagt, dass diese Parole mir persönlich noch aus den letzten Wochen vor Ende des Zweiten Weltkrieges bekannt war und dass noch Tausende, insbesondere ganz junge Menschen, zum Endsieg in den Tod getrieben wurden. »Hau ab, Alte«, war die Antwort. Eine Mischung von Wut und Angst überkam mich. Und dann baten mich Freunde, dies in Zukunft zu unterlassen, denn sie befürchteten, ich könn­te persönlich auch physische Schäden erleiden und in einer juristischen Auseinandersetzung würde man mich bezichtigen, die jungen Nazis provoziert zu haben. Wenn ich das richtig bedenke angesichts der aktuellen Sachlage über die Defizite im Kampf gegen den Rechtsextremismus, könnten sie Recht haben.

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