Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ministerin irrt gewaltig

02.07.2012, Christian Hauser, Boizenburg
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Der Bund macht eine Rolle rückwärts aber MV nicht"
im Schweriner Blitz vom 10.06.2012

In der Gastkolumne am 10. Juni kritisierte Manuela Schwesig die Pläne der Bundesregierung zur Einführung eines Betreuungsgeldes. Leider muss der Ministerin energisch widersprochen werden:

1. Das Betreuungsgeld sollen nur Eltern erhalten, die für ihre ein- und zweijährigen Kinder (!) keinen Krippenplatz in Anspruch nehmen, sondern sich i.d.R. selbst um die Erziehung ihrer Kinder kümmern.

2. Die Mehrheit der Deutschen ist zu Recht der Meinung, dass Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren i.d.R. besser zu Hause betreut werden, als in einer Krippe. Viele Eltern wünschen sich wieder mehr Zeit für ihre Kinder (vgl. 8. Familienbericht der Bundesregierung). Eine kinderfreundliche Politik schafft dafür die Rahmenbedingungen.

3. Bei einer Betreuung durch die eigenen Eltern besteht für die Kleinen ein Betreuungsverhältnis von vielleicht 1:2; welche Krippe kann da mit einem Betreuungsverhältnis von 1:6 konkurrieren?

4. Was brauchen Kinder im Alter von 1 und 2 Jahren am meisten? Das Gerede von »frühkindlicher Bildung« (was ist das eigentlich für Kinder im Krippenalter?) spricht den Eltern pauschal die Fähigkeit ab, ihren Kindern in diesem Alter das zu geben, was für ihre Entwicklung unersetzlich ist: Liebe, Geborgenheit, Sicherheit und Urvertrauen.

Der intensive Kontakt eines Kindes zu den Eltern und insbesondere der Mutter in den ersten Lebensjahren gewährleistet eine individuelle Betreuung und fördert eine gesunde seelische Entwicklung sowie eine optimale Entwicklung des kindlichen Gehirns. Das ist die beste frühkindliche Bildung. Auch die besten Erzieherinnen können eine Mutter i.d.R. nicht ersetzen.

Die staatlich verordnete Krip­pen­euphorie ist zutiefst kinderfeindlich, weil sie die Ur-Bedürfnisse der Kinder in unverantwortlicher Weise missachtet.

5. Wenn der Staat jeden Kitaplatz mit 1.400 Euro fördert, dann ist es ein Hohn, dass das elterliche Engagement gerade mal mit 150 Euro honoriert werden soll. Angemessen wäre ein Erziehungsgehalt in Höhe von mehreren einhundert Euro pro Kind. Dann würden sich auch noch mehr Mütter (oder Väter) dafür entscheiden, sich in den ersten Lebensjahren persönlich um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern.

Wenn die Politik beide Elternteile vorschnell in die Rückkehr zu einer vollzeitlichen Erwerbstäigkeit drängt, indem sie ihnen die nötige finanzielle Unterstützung entzieht bzw. vorenthält, nimmt sie in Kauf, dass Kinder von ihren Eltern vernachlässigt werden.

6. Durch die bisherige einseitige Förderung der Krippenbetreuung werden Mütter von ihren Kindern ferngehalten.

7. Die Klagen gegen das Betreuungsgeld artikulieren eine tiefe Missachtung der elterlichen Erziehungsbemühungen als eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben. Das Betreuungsgeld ist ein erster wichtiger Schritt zu einer größeren Würdigung dieser bedeutenden Leistung.

Flankierend zur wirtschaftlichen Unterstützung der Familien sind deshalb Maßnahmen zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz von Nöten.

 

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