Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Mensch und Natur im Einklang?

05.04.2012, Volker Ziel

Der Hauptzweck des gemeinnützigen Vereins »Einklang von Mensch und Natur« e. V. (EMN e.V.) besteht in der Erhaltung der jahrhundertealten Kulturlandschaft der Stubnitz. Er wurde am 4. 11. 2010 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Bergen eingetragen.

Niemand – der EMN e.V. eingeschlossen – lehnt Naturschutz ab, wenn er vernünftig umgesetzt wird. Mit DDR-Erlass vom 12. 9. 1990 wurde das Gebiet der Stubnitz Teil des Nationalparkes (NP) Jasmund. Aufgrund der aktuellen NP-Politik durch das Landwirtschaftsministerium (LWM) hat sich jedoch herausgestellt, dass das bisherige Erscheinungsbild der Stubnitz stark gefährdet wird. Mit der erklärten Absicht, den Wald auf Jasmund in einen diffusen »Urwald« umbauen zu wollen, schießen LWM und NP-Amt über das Ziel hinaus. Wer im Frühling durch den NP wandert, sieht anstelle der vor Jahren noch vorhandenen Anemonenteppichen, auf die die Sonne durch die Buchenwipfel ein zauberhaftes Licht warf, lediglich flächen-deckendes, faulendes Totholz, das Schädlingen einen idealen Nährboden bietet.

Weshalb wird das Liegenlassen des Totholzes nicht auf den Bereich des Unesco-Naturerbes beschränkt?

Häufig versperren querliegende Bäume die Wanderwege, weil die Verkehrssicherungspflicht nicht mehr wahrgenommen wird. Passanten sind nicht nur bei Sturm durch herabfallende Äste gefährdet.

Neuerrichtete Schranken an der Einmündung der Wanderwege in den NP erinnern den Touristen daran, dass er als Geldquelle prinzipiell willkommen, ansonsten dort aber nur widerwillig geduldet wird.

Heute finden sich im NP riesige Seen und Morastgebiete, wo früher nie welche waren. Die Ursache ist darin zu finden, dass von den Mitarbeitern des NP-Amtes das Entwässerungssystem vernichtet wurde (»Renaturierung«). Das Wasser kann also nicht mehr auf der Oberfläche ablaufen, sondern versickert. Dadurch wird steigender Druck am Hangfuß erzeugt, der zu gehäuften Küstenabbrüchen führt, und dort liegende Ortschaften und deren Bewohner gefährdet.

So verschwanden beispielsweise im Jahre 2005 die »Wissower Klinken«, die vor 200 Jahren dem romantischen Maler C. D. Friedrich als Vorlage für sein bekanntes Gemälde gedient haben dürften. Wann wird das Rügen’sche Wahrzeichen, der weltbekannte »Königsstuhl«, verschwunden sein?

Auf Jasmund werden gesunde Nadelholzbestände willkürlich zugunsten der Buchenwald-Monokultur gefällt, die hässliche Lücken im Wald hinterlassen. Der artenspezifischen Fauna und Flora wird so die Lebensgrundlage entzogen, was erheblich zum Verfall der Artenvielfalt beiträgt. Weshalb werden ohne Not gesunde Bäume gefällt, während pilzbefallenes Totholz liegen bleibt?

Die Liste der offensichtlichen Ungereimtheiten ließe sich beliebig verlängern. Nachgewiesen

ist u.a. an den Nationalparken Lüneburger Heide, Sächsische Schweiz oder Berchtegadener Land in Bayern, dass »Naturschutz« und »Kulturlandschaft« durchaus vereinbar sind. Die Stubnitz kann für unsere Nachfahren in der noch erfahrbaren Schönheit nur erhalten werden, wenn den Fehlentwicklungen heute gegengesteuert wird.

Aus diesem Grund haben Idealisten den Verein EMN e.V. in’s Leben gerufen. Er kann positive Veränderungen durch Einwirkung auf die politisch Verantwortlichen nur dann hervorrufen, wenn sich ihm verantwortungsbewußte Bürgerinnen und Bürger in großer Zahl anschließen. Noch ist es Zeit. Wenn unsere Enkel auf vergilbten Fotos die einstige Schönheit des

Jasmunder Waldes mit der tristen Wirklichkeit vergleichen werden: Was wollen wir ihnen dann auf die Frage antworten, weshalb niemand rechtzeitig etwas gegen eine falsche Weichenstellung unternommen hat?

Kontaktmöglichkeiten: Volker Ziel (Vors.): Tel.: 038302/71936, e-mail: volker.ziel@gmx.de; Wolfgang Weber (Stellv.) Tel.: 0172/3844765, e-mail: weber.ujw@vodafone.de; Vereins-Webseite: www.mensch-und-natur-ev.de

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