Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Meine Vertrauensärztin

05.03.2013, Arno Reinhold, Schwerin

Unlängst besuchte ich eine Augenärztin für eine postoperative Untersuchung. Erneut stellte ich fest, mit welcher exzellenten Fachkompetenz und auffallend angenehmer Umgangsform sie zu Werke ging. In einer derartigen Atmosphäre fühlte ich mich als Patient sehr gut aufgehoben.

Nach der Behandlung fragte ich nach einem nächsten Termin. Sie sagte mir den Zeitraum mit der Bemerkung, ich solle ca. zwei Monate vorher anrufen, weil sie aufgrund ihrer Halbtagsarbeit mit unregelmäßigen Abläufen nicht so weit vorplanen könne. So weit so gut. Ganz unbefangen fragte ich nach dem Grund für die Arbeitzeitverkürzung - vielleicht, weil es private Ursachen geben könnte. »Nein«, sagte sie »ich darf nicht länger arbeiten, weil der Ärztebedarf abgedeckt ist«. Ich glaubte, mich verhört zu haben und setzte mit einer Frage nach. Die gleiche Antwort.

Nicht ohne an die personelle Situation in der Augenklinik zu denken, fiel mir heraus: »Dann soll sich also der Schweriner Pöbel mit übertrieben langen Wartezeiten und überfüllten Warteräumen zufrieden geben.« Die Entscheidungsträger mit maßloser Besoldung würde das wohl nicht betreffen. Auf diese meine ärgerlich-vulgäre Äußerung reagierte die Ärztin verhalten, aber widerspruchslos.

Als ich die Praxis verließ, fiel mir die Frage ein, die ich nun stellen möchte: Wer kann mir in dieser kommerziellen Gesellschaft eine halbwegs humanistische Begründung für diesen Unfug geben?

 

 

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