Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Mein Alltag im Zeitalter der Digitalisierung

21.03.2018, Herbert Boldt, 18236 Kröpelin

Alltag im Zeitalter der Digitalisierung

Auch Groß- und Urgroßeltern bleiben nicht "verschohnt"

 

Als Uropa bin ich überaus beeindruckt, über welche herrlichen Kombinationsmöglichkeiten wir heute verfügen. Als unser kleinstes Enkelchen mit 10 Jahren sein eigenes iPhon Handy bekam, waren wir endgültig "isoliert". Wir hatten zwar PC und fürs Autofahren ein einfaches Kartenhandy, aber das war natürlich nicht mehr in. SMS sind auch nicht mehr in Mode und es gibt ja auch noch den Messenger usw. Die junge "Bande" war bestens vernetzt und gut ausgestattet für die Onlinekommunikation über WhatsApp. Also habe ich aufgerüstet und auch ein iPhon angeschafft. Anfangsprobleme mit dieser Technik brauchten zwar ihre Zeit, doch ich hatte, durch meine PC-Kenntnisse, bald den Bogen raus. Jetzt ging es los. "Dein Handy hat wieder "BING" gemacht, so nennt es meine Frau, wenn eine Nachricht angekündigt wurde und diese dann auch gelesen und natürlich auch beantwortet werden möchte. Nicht immer, aber immer öfter bei 6 Enkeln. Der Begeisterung wich schnell dahin, weil die "wichtigen" Nachrichten zu den unmöglichsten Zeiten eintrafen. Ich stellte die Ankündigung auf Stumm und kündigte in der inzwischen durch einen Enkel eingerichteten geschlossenen Familien WhatsApp-Gruppe (den Namen möchte ich lieber nicht nenne) an, dass mein Handy sich ab 19 Uhr zum Laden befindet und ich danach, im Notfall, über das Festnetztelefon erreichbar bin. Was sich über wenige Jahre auch veränderte, das geschriebene Wort bei einer Antwort hat fast gänzlich an Bedeutung verloren. Da kommt dann mit Daumen hoch, wie bei Facebook "Gefällt mir" oder anderen Symbolen aus Emoji eine Antwort, deren Deutung unsere Fantasie überlassen bleibt. Sollte die Emoji Antwort nicht reichen, gibt es ja immer noch die Sprachnachricht, um sich zu artikulieren. Meistens spricht das Jungvolk so schnell, das wir es mehrfach anhören müssen, um alles zu verstehen. Manchmal sehne ich mich zurück an die Festnetzkommunikation, als ein Anruf kam (rechtzeitig) "Opi, seit Ihr am Wochenende zu Hause? Wir würden Euch gerne am Sonntag so um 15 Uhr besuchen." Die Antwort war dann meistens ein Ja und seit bitte pünktlich zum Kaffee um 15.30 Uhr da. Herrlich diese einfache eindeutige Absprache. Heute erreichen uns nur wenige Festnetzanrufe. Da kommt über WhatsApp die Ankündigung "Sind unterwegs zu Euch und der Daumen hoch". Nach Minuten klingelt es dann an der Haustür. Natürlich freut man sich im Alter über jeden Besuch, doch planbar für einen Einkauf ist nicht möglich. Bleibt nur ein Keks zum Kaffee, der immer im Hause ist und der eindeutige Hinweis: Die Handys bleiben bitte auf dem Flur. Inzwischen möchte ich auf mein iPhon auch nicht mehr verzichten. Es erleichtert auch mein Leben in diesen Zeiten der Internetkommunikation und meinen Informationsbedarf im täglichen Alltag. Und richtig: Telefonieren kann man damit ja schließlich auch, egal, wo man ist, vorausgesetzt es gibt ein Netz.

h. b.

aus Kröpelin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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