Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Mehr als betroffen

23.02.2016, Uwe-M. Troppenz, Parchim
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Die BRD"
im Schweriner Blitz vom 23.02.2016

Zu »Die BRD«, BLITZ vom 7. Februar.

Ich bin betroffen von der Art und Weise, wie Herr Spantig aus Hagenow andere Menschen beleidigt, die im Krieg Schlimmes erlebt haben. »Ein abgemagerter älterer Herr erzählte Märchen« über seine Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion. So kann man die Erlebnisse anderer Menschen nicht »abfertigen«. Es ist ja in der Tat so, dass die Erfahrungen anderer ehemaliger deutscher Soldaten völlig unterschiedlich waren von denen des Herrn Spantig. Mein inzwischen verstorbener Schwiegervater zum Beispiel hat den Horror in den stalinistischen Lagern ganz anders empfunden, nicht als Kuraufenthalt wie der Leserbrief suggeriert. Ihm bin ich es schuldig und den mehr als 1 Million in den Zwangsarbeitslagern »verreckter« deutscher Soldaten, dass ich mich hier wenigstens kurz zu Wort melde. Richtig, in deutschen Gefangenenlagern sind Millionen Sowjetsoldaten umgekommen. Aber das ändert ja wohl nichts an den Verbrechen des Stalinismus. Dass Herr Spantig diese schrecklichen historischen Ereignisse mit »Antikommunismus« verbindet, bleibt unerfindlich, lässt aber darüber nachdenken, ob er wohl seinerzeit in den Lagern privilegiert gewesen ist. Mein Schwiegervater berichtete von deutschen Kommunisten, die die sadistischsten Schleifer gewesen seien, weniger diejenigen mit der »mitleidigen Russenseele«. Seine merkwürdige »Volksbefragung« braucht Herr Spantig ja nun nicht mehr anzukurbeln. Wer hat den Antikommunismus mehr gepflegt, die BRD oder die DDR? Die Redaktion beantwortet die Frage ja bereits in der Überschrift: »Die BRD«. Wer hätte das gedacht?

Uwe-M. Troppenz, Parchim

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