Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Mauer in den Köpfen

28.11.2014, J. Steffen

Es ist doch wirklich grotesk! Vor wenigen Tagen noch, zu 25 Jahren Mauerfall, sprachen wir davon, diskutierten darüber, welche Mauern auch nach 25 Jahren noch in den Köpfen der Menschen östlich und westlich der Elbe bestehen, dachten darüber nach, was getan werden kann, auch die Mauern in den Köpfen immer mehr abzubauen. Doch kaum werden mit Marita Meier-Koch und Heike Drechsler zwei deutsche Sportlerinnen feierlich in die Ruhmeshalle des Internationalen Leichtathletikverbandes IAAF aufgenommen, da erhebt sich in den Medien republikweit ein Sturm der Entrüstung und Empörung ob der getroffenen Wahl. Nun haben natürlich Dopingopfer aus Ost und West und potentielle Dopingjäger wie Berendonk und Franke durchaus das Recht, ihr Unverständnis über diese getroffene Entscheidung zu äußern. Daraus jedoch einen derartigen Medien-Hype zu machen ist, so meine ich, völlig unverständlich. Vielleicht sollten führende Vertreter in unseren Medien selbst einmal über Mauern in eigenen Köpfen und vor allem darüber nachdenken, wie man diese abbauen und damit zugleich noch besser dazu beitragen kann, die noch bestehenden Gräben zwischen Ost und West zuzuschütten und nicht noch weiter zu vertiefen. Müßig wohl an dieser Stelle daran zu erinnern, dass Marita Koch immerhin dreimal zum Weltsportler des Jahres gewählt wurde, und mit welcher Euphorie deutsche Medien einst Erfolge von Heike Drechsler in Barcelona und Sydney feierten. Vielleicht also waren es auch einfach nur Sternstunden des deutschen Sports, die uns zwei Sportlerinnen bescherten, vor denen sich die Welt verneigte und die nun in der »Hall of fame« der IAAF zu Recht einen würdigen Platz einnehmen. J. Steffen

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