Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Mastanlage kontra Umwelt

05.03.2013, Udo Cimutta

Haben Sie es mitbekommen? Ein Engpass an Hähnchenfleisch droht! Die Hähnchenprodukte in den überfüllten Supermarktregalen können nur Restposten sein. Bestimmt! Wie anders ist zu erklären, dass man zur Sicherung unserer lokalen Hühnerfleisch-Grundversorgung eine gigantische Hähnchenmastanlage mit 180.000 Tieren errichten will – direkt vor den Toren Rostocks in der Gemeinde Broderstorf. Eine Anlage, die in echt niemand braucht, außer der Investor. Der will seine Milliönchen gut angelegt wissen, in vier gigantischen Ställen, clever ausgerichtet mit Solar obendrauf. Weil die so teuer sind, verzichtet das staatliche Umweltamt gleich mal auf die Forderung nach Filteranlagen. Die seien ihm (den Investor) wirtschaftlich nicht zuzumuten, kann man in den Bauunterlagen nachlesen. Klar doch: wenn 45.000 Tiere auf engsten Raum in ihrem Mist bis zur Schlachtreife überleben sollen, muss man sie kräftig mit Antibiotika und anderer Chemie voll pumpen. Die Folge davon u.a.: multiresistente Keime. Diese und andere, für den Menschen nicht unschädlichen »Zutaten«, sollen ungefiltert in die noch (!) saubere Landluft geblasen werden. Über Grund- und Oberflächenwasser gelangen diese Stoffe über das kleine Flüsschen Carbäk direkt in das Trinkwassergebiet der Warnow. Alles halb so schlimm! Pure Panikmache – meinen die Vertreter von Behörden und natürlich die Nutznießer im Kielwasser des Investors. Schließlich seien solche Projekte politisch privilegiert im Agrarland Mecklenburg-Vorpommern. Ist das so? Und – warum eigentlich? Besorgte Bürger, die vor einigen Tagen die Bürgerinitiative »Pro Vita« gründeten, möchten diese Frage gern an den Landwirtschaftsminister Backhaus direkt stellen. Im Ortsteil Öftenhäven, in unmittelbarer Nähe des geplanten Standortes, soll am Sonnabend, den 16. März ab 14 Uhr eine Protestveranstaltung stattfinden. Der Minister wurde bereits eingeladen. Wird er kommen? Wird er sich dem heiklen Thema stellen? Im Wahljahr? Der Widerstand gegen solche Massentierhaltungen ist enorm. Sicherlich auch flankiert von den Lebensmittelskandalen in der jüngsten Vergangenheit. Die Aktiven der Bürgerinitiative verzeichnen einen wahren Run auf die von ihnen initiierte Unterschriftenaktion. Der BUND sicherte Unterstützung zu. Der Druck auf Behörden und Politik wächst. Letztlich geht es um unser aller Umwelt und um unser aller Gesundheit!

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