Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Massensterben wegen fehlender Schwimmflügel?

29.04.2015, Charlott Resske, Neubrandenburg
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Urlaub am Strand"
im Schweriner Blitz vom 29.04.2015

Zu »Urlaub am Strand«, Blitz vom 26. April.

Die Saison, in der Flüchtlingsschiffe nach Europa abfahren, hat gerade erst begonnen. Laut UNO haben bereits dieses Jahr 35.000 Flüchtlinge die Überfahrt von Nordafrika nach Europa gewagt. 1600 Menschen davon sind ertrunken. Das ist fast jeder Zehnte. Jeder Zehnte - weil die Flüchtlinge keine Schwimmflügel dabei hatten? Weil die Kurtaxe nicht bezahlt wurde? Weil sie ins Mittelmeer gehüpft sind?

Am 26. April wurde im Neubrandenburger Blitz die Glosse mit dem Titel »Urlaub am Strand« veröffentlicht. Und ja, ich weiß was eine Glosse ist. Um allen Bedenken aus dem Wege zu gehen, habe ich nochmal bei Wikipedia nachgelesen: Eine Glosse ist »ein kurzer und pointierter, oft satirischer oder polemischer, journalistischer Meinungsbeitrag in einer Zeitung.« 

Vielleicht habe ich einen schlechten Sinn für Humor. Kann sein. Was ich jedoch weiß ist, dass ich traurig bin. Herr Wruck, Ihre Worte verletzen mich. Mich und meine Freunde aus Syrien, Eritrea, Nigeria mit posttraumatischen Störungen von Flucht, Krieg und Verfolgung. Ihre Zeilen erschüttern mich und meine Mitarbeiter vom AWO Migrationszentrum, wo wir jeden Tag mit den Schicksalen von Migranten konfrontiert sind. »Urlaub am Strand« mit dem Massensterben im Mittelmeer zu vergleichen ist mehr als geschmacklos. Mehr als Satire. Da wird mir schlecht.

Als Journalist hat man eine Verantwortung beim Schreiben und Veröffentlichen. Besonders wenn Informationen mit Meinung vermischt wird. Ich finde es toll, wenn Sie mit Satire versuchen die Menschen aufzurütteln. Nicht so toll finde ich es, wenn Sie von vorne bis hinten vergessen die Pointe aufzutischen. Darum geht es nämlich bei der Glosse. Ansonsten täuschen Sie den Leser und lassen sich den kritischen Effekt ihres Textes entgehen. Eine Glosse, die ihren Namen nicht verdient hat. Schade.

Charlott Resske, Neubrandenburg

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