Mecklenburger Blitz Verlag

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Man darf Luther feiern

24.05.2017, Wolfgang Mengel, Stralsund
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Darf man Luther feiern?"
im Wismarer Blitz vom

Man darf das nicht nur, man muss es. Jedes Volk hat seine Denker und herausragenden Persönlichkeiten, die in seine Historie eingegangen sind, auch das deutsche Volk. Luther hat für die Kirche, die Allgemeinheit und die deutsche Sprache Hervorragendes geleistet. Aber er war auch nur ein Mensch, der auch seine Schattenseiten hatte, und die hat jeder von uns. Er war ein Kind seiner Zeit, und in dieser tickten die Uhren nun mal anders als bei uns, meine damit, dass das Wertgefüge von damals mit dem heutigen nicht vergleichbar ist. Der Judenhass ist nicht erst bei Luther oder durch ihn entstanden, er ist schon sehr lange Bestandteil der Geschichte. Und es gab und gibt zu jeder Zeit einzelne Menschen oder ganze Völker, die dafür empfänglich waren oder noch sind. Gleiches gilt für E.M. Arndt im 19. Jh. Man sollte beide Seiten der jeweiligen Person gegeneinander abwägen. Überwiegt das Positive, muss man ihre Verdienste auch würdigen. Was hält uns davon ab, das Negative aufzuzeigen und uns davon zu distanzieren, weil es in unsere aktuelle Welt nicht passt? Aber diese Menschen, um bei Luther und Arndt zu bleiben, aus der Geschichte zu verbannen, das geht nicht, wir heute müssen zu unserer Geschichte stehen ohne „Wenn und Aber“. Es gehört sich nicht, einen H. Schmidt (als Bild) aus der Kaserne zu verbannen, nur weil er in Wehrmachtsuniform abgebildet ist. Auch Menschen in dieser Uniform, wenn ich an Graf Schenk von Stauffenberg denke, kämpften gegen den Wahnsinn eines Hitler, auch wenn er selbst das Ergebnis seines Handelns leider mit seinem Leben bezahlen musste. Die Kirche ist Bestandteil unserer Gesellschaft. Die Waffen des II. WK wurden abgesegnet, hat sie konkret etwas gegen die Vernichtung der Juden getan? Wenn die Kirche als gesellschaftliche Institution dafür nicht zur Verantwortung gezogen worden ist (gegen die offenkundigen Verbrechen und später gegen die Massenmorde des nat.-soz. Regimes wurden Proteste nur in einzelnen Fällen erhoben), dann sollte man sich bitte nicht an einzelnen Persönlichkeiten abreagieren, zumal diese zu ihren damaligen Handlungen keine Stellung mehr beziehen können. Eine kritische Bewertung ist erlaubt und sicher erforderlich, man sollte aber diese Personen nicht in Grund und Boden stampfen und aus der Geschichte verbannen. Jeder von uns muss den Mut haben, zur Geschichte seines Volkes zu stehen.

 

 

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