Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Luthers andere Seite

14.11.2017, Dr. H. Bomke, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Leben und Werk Luthers nicht gerecht"
im Schweriner Blitz vom 14.11.2017

Zu »Leben und Werk Luthers nicht gerecht«, 12. November, Seite 2.

Die im Blitz erschienene Gastkolumne der Reformationsbeauftragten war sehr wohl berechtigt und notwendig, meine ich. Luthers öffentliches Auftreten gegen den kirchlichen Ablaßhandel 1517, sein offener Bruch mit der katholischen Kirche 1519, sein großer Anteil an der Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache durch die Bibelübersetzung gehören zu den positiven Seiten des Begründers des deutschen Protestantismus, Martin Luther. Doch der gleiche Theologe verurteilte im Bauernkrieg das Vorgehen der Bauern, obwohl er zunächst deren berechtigte Forderungen anerkannte, und stellte sich auf die Seite der Feudalherren. Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 wird im Schweriner Dom die Ausstellung »Ertragen können wir sie nicht – Martin Luther und die Juden« gezeigt. Was dort zu lesen war, machte mich sprachlos. So empfahl Luther in seiner Kampfschrift von 1543 »Wider die Juden und ihre Lügen« Gewalt gegen die Juden, Verbrennung ihrer Synagogen, Zerstörung ihrer Häuser, insgesamt sieben »Empfehlungen«. Der Theologe Heinz Zahrnt bemerkte 1983: »Die volle Übereinstimmung mit seiner Zeit ... entschuldigt Luther nicht. Er hat in jedem Fall zur Erhöhung des Schuldkontos der Christen gegenüber den Juden beigetragen.« Auch der Kirchengeschichtler Martin Jung beklagte sich 2013 ähnlich, indem er Luther vorwarf, mit den Judenhass geschürt zu haben. Die Ausstellung ist bis 20. November zu sehen.

Dr. H. Bomke, Schwerin

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