Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Linke lebt in, für und von der Vergangenheit

20.11.2012, Herbert Häußer, Wessin

Nun scheint es eine besondere Nachricht zu sein, dass der Linkenlandesvorsitzende sein Amt aufgibt, eine Nachfolgerin so gut wie schon fest steht und sodann am vergangenen Wochenende als einzige Kandidatin auch gewählt wurde.

Die Linke im Osten lebt auch 23 Jahre nach dem Mauerfall von, in und für die Vergangenheit.

Linke Ost und West sind in Denken und Handeln zwei verschiedene Welten. Während im Westen die Linken allgemein von der kritischen Theorie geprägt sind, hat die Linke hier nie ins parlamentarische System gefunden. Im Laufe von fünf Jahren Zugehörigkeit (2006-2011) musste ich erkennen, dass diese Partei undemokratisch ist und vorrangig reinen Lobbyismus der SED-Vergangenheit verfolgt. Ihre Repräsentanten, die zumeist seit der Wende keine Berufserfahrungen gemacht haben nur ein Ziel kennen - über die Diäten in den Landes- und Bundesparlamenten - die Partei und den Kader zu erhalten. Pluralismus ist der Linken, Ost, unbekannt, ein demokratischer Zentralismus aus SED-Zeiten ersetzt die sonst bekannte Basisdemokratie der anderen Parteien. Rund 80% der Delegierten an Landes- und Bundesparteitagen sind langjährige Amts- und Mandatsträger der Partei. Die Kreismitgliederversammlung tagt in der Regel nur zweimal im Jahr und trifft vornehmlich Entscheidungen auf der Grundlage von Vorstandsempfehlungen; Diskussionen sind daher selten.

Nach 45 mussten alle früheren NSDAP-Mitglieder die Re-education (demokratische Erziehung) durchlaufen; die alte BRD verdankt ihre Existenz diesem Prozess.

Es war ein Fehler eine entsprechende Re-education von den früheren SED-Mitgliedern nicht zu verlangen. So lebt ein Linker hier eben vorzugsweise für, von und in der SED-Vergangenheit.

Dabei müsste klar sein, dass die Probleme dieser Gesellschaft nicht mit jenem Denken geändert werden können, die die Probleme des Untergangs der DDR oder jetzt der Globalisierung geschaffen haben.

In Gymnasium und Universität/Hochschule gehörte es zum Konsens (Übereinstimmung) der alten BRD stets den Pluralismus (Vielfalt) der Meinungen - die Auseinandersetzung um den besten Weg zu einer besseren Gesellschaftsordnung - zu erhalten und zu pflegen.

Verfolgt man hier jedoch die Politik führender Linken so werden diese Defizite besonders deutlich:

so fordert Frau Gramkow in Schwerin vorrangig eine bessere Finanzausstattung und die Bundesvorsitzende Frau Kipping neuerdings auch bezahlte Pausen/Sabatzeiten, der Schweriner, Förster, fordert gar eine fünfjährige öffentliche Arbeitsmöglichkeit. Für Frau Gramkow ist es auch selbstverständlich die alte SED in Form der Würdigung von Frau Quandt als Antifaschistin zu ehren. Jemand, der sich von der Forderung der Erschießung der SED-Führung zur Wendezeit nicht distanziert hat, ist für mich kein Antifaschist; ich verstehe darunter etwas Anderes.

Sämtliche Forderungen der Linken sind angesichts der Globalisierung und Schuldenstopp in der Verfassung irreal, da wir mittlerweile 40 Jahre Schuldenpolitik nach Keynesianischem Muster erlebt haben. ABM und LKZ (Lohnkostenzuschusssstellen über max. 8 Jahre) sind gescheitert.

In scharf links im Internet kann Jedermann/Jedefrau auf sieben Seiten eine Analyse hierzu lesen und begreifen, warum eine Linke scheitern muss.

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