Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Lenin oder Gorbatschow?

06.10.2014, Dr. H. Bomke, Schwerin

Vom Vorschlag eines Gorbatschow-Denkmals anstelle von Lenin in einem Schweriner Wohngebiet berichtete kürzlich die Presse. Weder die eine noch die andere Plastik, meine ich. Die verschuldete Stadt hat andere Sorgen! Die wiedergewonnene Einheit Deutschlands geht ursächlich mehr auf die Massenprotest-Demonstrationen der Ostdeutschen 1989 als auf einen Sowjetpolitiker zurück. Die DDR-Bevölkerung wollte den Sozialismus sowjetischer Prägung so nicht mehr, von Reformen war nur eine Minderheit überzeugt. Längere Zeit täuschte Gorbatschow die DDR über deren Existenz. Der BRD-Besuch wurde Honecker mehrmals untersagt. Noch am 1. November 1989 erklärte er gegenüber dem SED-Chef Krenz, die Einheit Deutschland sei »äußerst explosiv« und stehe nicht zur Diskussion, und er sei sich darin mit Mitterand, Thatcher, Andreotti und anderen Politikern einig. In Wirklichkeit waren die Weichen für die Wiedervereinigung bereits gestellt. Zur Erlangung der Einheit bedurfte es letztlich der Überzeugung der britischen und französischen Regierungen durch den US-Präsidenten, der vorbehaltlos auf Seiten der Deutschen stand. Also, wenn ein Einheitsdenkmal, dann sollte es allen vier Großmächten und nicht allein einer Person als Dank gewidmet sein.

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