Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Leitkultur

16.05.2017, Siegfried Spantig, Hagenow

Die deutsche Leitkultur ist ausgeschrieben, und nun wartet das Publikum, was da kommen wird: Diskussion, Scheingefechte oder Verbesserung in der Sache, zum Beispiel beim Fernsehen, das man gegenwärtig rauf und runter schalten kann, aber von Leitkultur ist da wenig zu sehen. Ernsthaft: Leitkultur ist in jedem Volk historisch gewachsen. Auch bei uns Deutschen liegen die Felder der Geschichte nicht gerade versteckt. Aber es gab auch Zeiten, da wuchsen auf ihnen keine lebenserhaltenden Früchte. Und darum sagte nach dem Krieg so mancher Sarkast: Deutschland, das Land der Dichter und Denker, aber auch der Richter und Henker. Wie man das in der BRD geheilt hat, weiß ich freilich nicht, da ich nur die DDR kenne. Und hier brachte man manches auf den Weg. Zum Beispiel denke ich an Walther Victor, den Juden, der dem Deutschland von 1933 gerade noch so den Rücken kehren konnte. Er machte den Arbeitern und Bauern die Freude, ihnen Lessing, Schiller, Goethe und so weiter nahezubringen. Allein sein Goethe-Lesebuch erreichte eine Gesamtauflage von 300.000. Ja, das Leseland DDR, weltweit nicht unbekannt. Wird heute die BRD dem Herrn Innenminister die Freude machen und bemüht sein, in diese Fußstapfen der DDR zu treten, beim Fernsehen freilich immer heftig mit Werbung unterbrochen. Hauptsache es wird nicht leeres Stroh zum Flegeldrusch auf der Tenne ausgebreitet.

Siegfried Spantig, Hagenow

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